Fall Lea Sofie: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Polizei - DER SPIEGEL
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Fall Lea Sofie Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Polizei

Mutter und Stiefvater der durch Misshandlung gestorbenen Lea Sofie wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Köln ein Ermittlungsverfahren gegen die Polizei eröffnet. Es geht um den Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung.
Foto der getöteten Lea Sofie vor dem Bezirksrathaus in Köln-Chorweiler
Foto der getöteten Lea Sofie vor dem Bezirksrathaus in Köln-Chorweiler

Foto der getöteten Lea Sofie vor dem Bezirksrathaus in Köln-Chorweiler

Foto: Marius Becker/ dpa
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Köln - Die Staatsanwaltschaft Köln geht schwerwiegenden Vorwürfen nach: Demnach soll die Polizei nach einem Besuch bei der Familie von Lea Sofie einen Vermerk über den schlechten Zustand der Wohnung nicht ans Jugendamt weitergeleitet haben.

Weil derzeit nicht klar ist, welcher Beamte für das Versäumnis verantwortlich ist, laufen die Ermittlungen gegen unbekannt. Es geht um den Verdacht der unterlassenen Hilfeleistung, bestätigte der Sprecher der Kölner Anklagebehörde, Ulrich Bremer. Es solle geklärt werden, ob der Vermerk möglicherweise bewusst nicht weitergegeben wurde.

Lea Sofie starb im Dezember 2012, nachdem sie brutal misshandelt worden war. Am vergangenen Freitag wurde der ehemalige Lebensgefährte der Mutter wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Er hatte dem Kind durch heftige Schläge auf den Kopf massive Verletzungen zugefügt. Die 20-jährige Mutter bekam wegen Totschlags durch Unterlassen eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Sie wurde nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Die Frau war bei der Tat nicht anwesend, hatte aber auch keinen Versuch unternommen, das tagelang mit dem Tod ringende Kind zu retten.

Das Paar aus Köln-Chorweiler hatte Lea Sofie im Dezember zunächst als vermisst gemeldet. Eine Hundertschaft der Polizei suchte nach dem Kleinkind - und fand die Leiche des Mädchens schließlich auf einer Grünfläche mit Büschen in der Nähe des Fühlinger Sees.

Laut "Kölner Stadt-Anzeiger" wurde der Polizeivermerk etwa drei Wochen vor dem Tod des Kindes geschrieben. Nachbarn hätten die Polizei gerufen, weil sie sich an Lärm aus der Wohnung gestört hätten. Der Zeitung zufolge hat der Leitende Polizeidirektor Michael Temme ein Versäumnis auf Seiten der Ermittler eingeräumt. "Da ist eindeutig ein Fehler geschehen", zitiert ihn das Blatt. Entweder handle es sich um ein "bedauernswertes Versehen" oder aber einer der Beamten habe mit Blick auf den Inhalt "bewusst entschieden, dass der Vermerk erst einmal nicht an das Jugendamt geht, sondern dass sich der für den Bezirk zuständige Kollege um die Angelegenheit kümmern soll". Als dieser aus dem Urlaub zurückkehrte, konnte er das Papier nur noch an die mittlerweile gegründete Mordkommission weiterleiten.

ala/dpa/AFP