Fall Sarah Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungen gegen Jugendamt ein
Grab der verhungerten Sarah: Ermittlungen gegen das zuständige Jugendamt
Foto: ddpThalmässing/Nürnberg - "Es wird aufgrund einer Anzeige ermittelt", bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, Thomas Koch, entsprechende Medienberichte. Eine Rechtsanwältin, die in dem Sarah-Verfahren aber keine Funktion einnehme, habe Anzeige wegen Beihilfe zum Mord erstattet. Bisher wurde lediglich gegen die Eltern des am 10. August in einer Nürnberger Klinik an Unterernährung gestorbenen Mädchens ermittelt.
"Die Ermittlungen sind nicht auf eine bestimmt Person konzentriert", sagte Koch. Auch ohne die Anzeige hätten die Ermittlungsbehörden überprüft, ob Verfehlungen des Kreisjugendamtes Roth vorliegen oder nicht. Weshalb die Rechtsanwältin die Anzeige erstattet habe, sei noch unklar: "Über ihre Motive ist uns nichts bekannt", sagte Koch.
Der Leiter des Kreisjugendamtes, Manfred Korth, zeigte sich "geschockt" von der Anzeige: "Ich bin auf der einen Seite froh, weil dann die Vorwürfe aus dem Raum geschafft werden. Aber die Anzeige lautet auf Beihilfe zum Mord - das ist starker Tobak." Für seine Mitarbeiter lege er seine Hand ins Feuer.
Der schwer kranken Frau, die in einem Nürnberger Krankenhaus liegt, wurde der Haftbefehl erst vergangene Woche eröffnet, nachdem sie aus dem Koma erwacht war.
Das drei Jahre alte Mädchen war am 10. August in einer Nürnberger Klinik an Unterernährung gestorben. Ihre Eltern hatten noch den Notarzt alarmiert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 29 Jahre alten Vater und die 26-jährige Mutter aus dem mittelfränkischen Thalmässing wegen gemeinschaftlichen Totschlags durch Unterlassen.
Das Jugendamt hatte die Familie betreut - aber keine Auffälligkeiten bemerkt
Der Haftbefehl gegen die Mutter wurde erst vor wenigen Tagen eröffnet, da Angela R. seit Bekanntwerden des Falls im Koma lag. Sie ist an einer schweren Darminfektion erkrankt und schwebte in Lebensgefahr. Der Vater, Patrick R., war bereits unmittelbar nach Sarahs Tod festgenommen worden.
Das Paar hat neben Sarah noch den gemeinsamen Sohn Dominik. Der vierjährige Junge wurde ausreichend ernährt, er befindet sich derzeit bei den Großeltern. Zwei andere Kinder waren Sarahs Mutter nach Angaben des Jugendamts bereits vor einiger Zeit weggenommen und in einem Heim untergebracht worden.
Das Jugendamt hatte die Familie deswegen ab 2005 intensiv betreut. Dabei habe es aber nie Auffälligkeiten gegeben, hieß es. Im November 2008 besuchte ein Mitarbeiter die Familie dann zum letzten Mal.