Fall Stephanie Minister räumt Ermittlungspanne ein
Dresden - Die Computerdaten von Polizei und Staatsanwaltschaft seien wohl nicht auf demselben Stand gewesen, sagte Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo heute in der MDR-Fernsehsendung "Sachsenspiegel". "Eigentlich hätte der Straftäter gefunden werden müssen", räumte Buttolo ein. Er könne gegenwärtig noch nicht sagen, wo die Panne liege. Nach den geltenden Regelungen hätte eigentlich ein Abgleich der Daten zu vollzogen werden müssen, man gehe jetzt natürlich der Frage nach, warum dies nicht geschehen sei. "Ist es ein Problem der Software, und haben wir dort irgendwo eine Lücke, oder ist es ein Logikfehler in der Auswertung", nannte Buttolo als zu klärende Frage. Damit korrigierte der Minister seine vorangegangene Aussage, wonach die Polizei keine Fehler gemacht habe. Der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle forderte umfassende Aufklärung und kündigte eine kleine Anfrage an die Staatsregierung an.
Der wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes vorbestrafte Mario M. hatte die 13-jährige Stephanie am 11. Januar auf dem Weg zur Schule entführt und fünf Wochen lang in seiner Wohnung gefangen gehalten. Diese liegt nur wenige hundert Meter vom Elternhaus des Mädchens entfernt. Erst nachdem ein Passant einen Zettel des Mädchens mit einem Hilferuf gefunden hatte, hatte Stephanie schließlich am Mittwoch von der Polizei befreit werden können. Gestern erließ das Amtsgericht Haftbefehl gegen M. wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Freiheitsberaubung.
Täter hätte auffallen müssen
Ein Sprecher des Dresdner Innenministeriums sagte heute, dass der 35 Jahre alte Täter im polizeilichen Auskunftssystem theoretisch hätte auffallen müssen. Es werde derzeit der Frage nachgegangen, warum das nicht passiert sei. Laut Sprecherangaben gibt es einen automatischen Datenabgleich auch zwischen der Polizei und den Meldebehörden der Stadt Dresden.
Die Polizei hatte bei der Suche nach dem Mädchen zunächst einen engen Ring um die örtliche Umgebung von Stephanie gezogen und dort auch mögliche Verdächtige überprüft. Im polizeilichen Auskunftssystem stand jedoch eine frühere Anschrift M.s in einem anderen Stadtteil von Dresden, wie es noch gestern auf einer Pressekonferenz der Dresdner Polizei hieß. M. war zwischenzeitlich in die Nähe von Stephanies Elternhaus umgezogen, die neue Adresse war nicht bekannt. Die Gesetzeslage erlaube einen automatischen Datenabgleich auch zwischen Meldebehörde und der Polizei, betonte der Sprecher.
Nächtliche Spaziergänge
Der 35 Jahre alte Mario M. hat mit Stephanie mehrmals nachts seine Wohnung verlassen, um mit ihr in der Gegend spazieren zu gehen. Aus Dresdner Polizeikreisen hieß es dazu, dass sicherlich keine fünf Wochen bis zur Festnahme vergangen wären, wenn die beiden bei Tageslicht draußen gewesen wären.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte das Kind bei den nächtlichen Ausflügen keine Chance, sich bemerkbar zu machen. M. sei extrem brutal und habe stets seine beiden Hunde mitgenommen. Es sei Stephanie aber gelungen, Zettel mit einem von ihr selbst verfassten Hilferuf unbemerkt in der Nähe eines Müllcontainers fallen zu lassen, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius. Insgesamt habe Stephanie vier solcher Zettel geschrieben. Einer der Zettel führte zur Festnahme von Mario M.