Fall Stephanie: Opferverband attackiert Polizei - DER SPIEGEL
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Fall Stephanie Opferverband attackiert Polizei

Fünf Wochen lang tappten die Ermittler im Vermisstenfall Stephanie im Dunkeln. Dass das Mädchen aus der Gewalt eines vorbestraften Kinderschänders befreit wurde, ist eher einem Zufall zu verdanken. Der Opferverband "Weißer Ring" fordert nun, Sextäter stärker zu überwachen.
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Dresden - Die Dresdner Polizei sieht sich noch immer schweren Vorwürfen ausgesetzt, sie habe schlampig ermittelt und nicht rechtzeitig bemerkt, dass der einschlägig polizeibekannte Mario M. direkt in der Nähe von Stephanies Zuhause wohnte. Im Computer der Dresdner Polizei war nur eine veraltete Wohnadresse des Mannes gespeichert. Deshalb hatten die Fahnder ihn bei den umfangreichen Ermittlungen nicht überprüft.

Die Opferschutzorganisation "Weißer Ring" forderte einen größeren Schutz der Bürger vor Sexualstraftätern. Zumindest die örtlichen Polizeidienststellen müssten genau über die in ihrem Bereich lebenden einschlägig Vorbestraften Bescheid wissen. Bei den Ermittlungen habe es offenkundig Fehler gegeben, "die nicht passieren dürfen", sagte Sprecher Helmut Rüster. Ob nach dem Vorbild der USA auch die Nachbarschaft über gefährliche Täter in ihrer Nähe informiert werden müsse, sei aber fraglich.

Der sächsische Innenminister Albrecht Buttolo verteidigte hingegen das Vorgehen der Polizei. "Für mich ist derzeit nicht erkennbar, dass bei den Ermittlungen etwas nicht so gelaufen ist, wie es hätte sein sollen", sagte der CDU-Politiker der "Sächsischen Zeitung". Für eine abschließende Beurteilung sei es allerdings noch zu früh. Über eventuelle Konsequenzen könne erst nach einer sorgfältigen Prüfung entschieden werden. Gleichzeitig sprach sich Buttolo dagegen aus, alle Sexualstraftäter ohne genaueste Überprüfung einfach lebenslang wegzusperren. Es gebe für derartige Fälle Gutachter, die eine große Verantwortung trügen, sagte der Minister.

Der 35 Jahre Mario M. habe mit Stephanie sogar mehrmals nachts seine Wohnung verlassen, um mit ihr in der Gegend spazieren zu gehen, berichtet die Nachrichtenagentur AP. Aus Dresdner Polizeikreisen hieß es dazu, dass sicherlich keine fünf Wochen bis zur Festnahme vergangen wären, wenn die beiden bei Tageslicht draußen gewesen wären.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte die 13-Jährige bei den nächtlichen Ausflügen keine Chance gehabt, sich bemerkbar zu machen. M. sei extrem brutal und habe stets seine beiden Hunde mitgenommen. Es sei Stephanie aber gelungen, Zettel mit einem von ihr selbst verfassten Hilferuf unbemerkt in der Nähe eines Müllcontainers fallen zu lassen, sagte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius. Insgesamt habe Stephanie vier solcher Zettel geschrieben. Einer der Zettel hatte am Mittwoch zur Festnahme von Mario M. geführt. Ein 31 Jahre alter Dresdner hatte die Botschaft gefunden und sofort die Polizei benachrichtigt.

Das Amtsgericht Dresden hat gestern gegen den arbeitslosen Anlagenbauer Haftbefehl wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Freiheitsberaubung erlassen. Mario M. hatte Stephanie, nur wenige Tage, nachdem seine Bewährung wegen einer im Jahre 1999 begangenen Sexualstraftat an einem Kind Ende 2005 abgelaufen war, am 11. Januar auf dem Weg zur Schule in sein Auto gezerrt und anschließend in seine Wohnung geschleppt. Diese ist nur wenige hundert Meter vom Elternhaus von Stephanie entfernt.

ffr/AP/ddp