Falscher Rockefeller Polizei rollt Mordfall neu auf
Los Angeles/Washington - Christopher Chichester - das war nur eine der vielen Identitäten von Christian Karl Gerhartsreiter, geboren in bayerischen Siegsdorf und ab 1978 als Austauschschüler im US-Bundesstaat Connecticut. Der heute 48-Jährige wurde Anfang August vom FBI in Baltimore verhaftet, weil er, der sich nun als Clark Rockefeller ausgibt, in einem Sorgerechtsstreit seine siebenjährige Tochter entführt haben soll.
Derzeit versuchen die Ermittler in den USA das Leben des Hochstaplers, der über seinen Anwalt mitteilen lässt, dass er sich nur an sein Leben nach 1993 umfassend erinnern kann, zu rekonstruieren.
Von Interesse ist vor allem die Zeit Mitte der achtziger Jahre, in der es Gerhartsreiter aus Connecticut an die Westküste verschlug. Als Christopher Chichester wollte er sein Glück in der Filmbranche versuchen. Er mietete sich in das Gästehaus von Linda und Jonathan Sohus ein - die jedoch im Februar 1985 spurlos verschwanden.
1994 fand man bei Grabungsarbeiten auf dem Grundstück ein in drei Teile zerstückeltes und in Plastiktüten verpacktes Skelett. Dass es sich bei dem Toten um Jonathan Sohus handelte, konnten die Ermittler damals nur vermuten - belegen konnten sie es nicht.
"Rockefeller" gilt für die Polizei in Los Angeles in diesem Zusammenhang als "Person von Interesse". Eine damalige Bekannte sagte nun dem "Boston Globe", im Frühjahr 1985 sei der Garten des Sohus-Hauses umgegraben worden.
Dana Farrar berichtete, sie habe Rockefeller alias Chichester über ihre Tante kennengelernt und sei damals noch Studentin gewesen. Er habe mit seinem Vermögen geprahlt und die beiden seien häufig zusammen ins Kino gegangen. Chichesters Lieblingsfilm: "Double Indemnity" ("Frau ohne Gewissen"), in dem eine Frau gemeinsam mit ihrem Liebhaber ihren Ehemann umbringt, um dessen Lebensversicherung zu kassieren.
Auf die Frage, warum das Grundstück umgegraben werde, habe Chichester ihr damals geantwortet, dass es Probleme mit der Kanalisation gebe.
Die Polizei in Los Angeles will mögliche Spuren des mysteriösen Verschwindens des Ehepaars vor 23 Jahren nun neu untersuchen. Wie die "Los Angeles Times" am Donnerstag berichtet, soll die DNA eines größeren Blutflecks, der 1994 in dem Gästehaus des vermutlich ermordeten Paares entdeckt wurde, mit neuen Methoden analysiert werden. Frühere Tests blieben ergebnislos.
Außerdem sollen sterbliche Überreste der Leiche, die im Garten des Hauses vergraben waren, neu untersucht werden. Sie konnten bisher nicht identifiziert werden. Die Klärung der Frage, ob es sich bei dem Toten um Jonathan Sohus handeln könnte, erweist sich jedoch als schwierig: Sohus wurde adoptiert, die Ermittler müssten zunächst leibliche Verwandte finden.
han/dpa