Ferguson: Polizeichef tritt zurück - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Rassismusvorwürfe Polizeichef von Ferguson tritt zurück

Ein Jahr nach Michael Browns Tod: Der Polizeichef von Ferguson, Tom Jackson, hat laut Lokalzeitung seinen Rücktritt eingereicht. Ein Bericht über Rassismus in der Polizei hatte schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben.
Rücktritt nach schweren Anschuldigungen: Polizeichef Jackson (Mitte)
Rücktritt nach schweren Anschuldigungen: Polizeichef Jackson (Mitte)

Rücktritt nach schweren Anschuldigungen: Polizeichef Jackson (Mitte)

Foto: AP/ St. Louis Post-Dispatch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Polizeichef der Kleinstadt Ferguson, Tom Jackson, ist am Mittwoch von seinem Amt zurückgetreten. "Mit tiefer Trauer gebe ich bekannt, dass ich von meinem Amt als Polizeichef der Stadt Ferguson, Missouri, zurücktrete", schrieb Jackson in seinem Kündigungsschreiben, aus dem die lokale Zeitung "St Louis Post-Dispatch" am Abend zitierte . Am 19. März wird er aus dem Amt scheiden. Jackson werde eine Abfindung erhalten.

Seit den tödlichen Schüssen auf den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown hatten die Menschen in Ferguson bei zahlreichen Protesten Jacksons Rücktritt gefordert. Auch als die Gewalt bei den Protesten eskalierte, lehnte der 57-Jährige dies jedoch ab.

Jackson sagte der lokalen Zeitung: "Ich glaube, das ist jetzt der richtige Schritt. Diese Stadt muss nach vorne schauen, ohne jede Ablenkung." Er wolle die Stadt jedoch als Privatmensch weiter unterstützen, so gut er könne.

Vor wenigen Tagen hatte ein Bericht des Justizministeriums schwere Missstände in Ferguson im Umgang mit Afroamerikanern angeprangert. Polizisten seien in der Stadt in unverhältnismäßiger Weise gegen Schwarze vorgegangen.

Auch der Verwaltungschef von Ferguson, John Shaw, ist zurückgetreten. In einer Mitteilung wies Shaw Anschuldigungen zurück, er habe städtische Angestellte konkret angewiesen, Afroamerikaner ins Visier zu nehmen. Der Stadtrichter Ronald Brockmeyer hatte bereits am Montag seinen Rücktritt verkündet, in der vergangenen Woche waren drei Polizisten gefeuert worden, die beleidigende E-Mails geschrieben hatten. Dies kam durch den Bericht des Justizministeriums heraus. Insgesamt haben rund um die Rassismusvorwürfe in Ferguson sechs Mitarbeiter aus Polizei, Justiz und Verwaltung ihre Posten verlassen.

Zunächst wird ein Interims-Polizeichef eingesetzt, bis es eine landesweite Suche nach einem neuen Amtsinhaber geben soll. Aus der Spitze der Protestbewegung in Ferguson hieß es am Mittwoch, man warne vor zu viel Euphorie: Schließlich müsse man noch abwarten, wer nun nachfolgt, und ob damit auch die rassistischen Aktionen vorbei seien.

Im Sommer 2014 war der unbewaffnete schwarze Jugendliche Michael Brown von einem weißen Polizisten erschossen worden. Der Fall hatte schwere Proteste ausgelöst.

mia/dpa/Reuters/AP/AFP