Fleischskandal Ministerium beharrt auf Rückrufaktion
München - Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Produkte "Gelha-Hühnerklein" und "Gelha-Hühnersuppentopf" genussuntaugliche Fleischabfälle enthielten, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums heute in München. Das von der Firma Rottaler belieferte Unternehmen Gelha Lebensmittel Handel GmbH aus Stemwede in Nordrhein-Westfalen hatte dies gestern Abend bestritten. Die Produkte seien lebensmittelrechtlich überprüft worden und hätten sich als einwandfrei herausgestellt, betonte das Unternehmen. Die Firma unterstellte der Bayerischen Staatsregierung, der Öffentlichkeit nur schnelle Ergebnisse präsentieren zu wollen, statt gewissenhaft zu prüfen.
Auch die Zulieferfirma Rottaler dementierte, Fleischabfälle verwendet zu haben, und drohte dem Verbraucherschutzministerium wegen der Veröffentlichung mit juristischen Schritten. "Es ist ein Skandal, mit welchen Mitteln das Ministerium hier völlig unberechtigt ein angesehenes Traditionsunternehmen gegenüber der Öffentlichkeit in Verruf bringt", teilte der Anwalt der Firma heute mit. Offenbar habe das Ministerium ein Bauernopfer gesucht.
Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte, es gebe keinen Grund, von der Rückrufaktion Abstand zu nehmen. Bei seinen Ermittlungen habe sich das Ministerium auf die Ergebnisse der Zollverwaltung gestützt. Daraus habe sich ergeben, dass die niederbayerische Firma Rottaler mit Schlachtabfällen beliefert wurde und aus diesem Material die genannten Hühner-Produkte herstellte. In dem Fleischskandal wird gegen mehrere Firmen ermittelt.
Gegen den Hauptverdächtigen, den Geschäftsführer einer Deggendorfer Firma, war am Montag Haftbefehl erlassen worden. Ihm wird vorgeworfen, in mehr als 50 Fällen ungenießbares Fleisch in den Verkehr gebracht und als genusstauglich an mehrere Firmen in Deutschland mit hohem Gewinn weiterverkauft zu haben.