Prozessauftakt Mutter ließ Vierjährigen drei Wochen allein zu Hause
Eine Mutter hat vor Gericht gestanden, ihren vierjährigen Sohn rund drei Wochen lang in einer abgeschlossenen Wohnung allein gelassen zu haben. Sie bereue zutiefst, hieß es in einer Erklärung, die ihr Verteidiger zum Auftakt des Prozesses vor dem Landgericht Flensburg vorlas.
Die Angeklagte muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Die Frau habe ihren Sohn vernachlässigt, ihre Fürsorgepflicht verletzt und die seelische und körperliche Entwicklung des Jungen gefährdet, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
In der Erklärung der Angeklagten hieß es, sie habe ihr Kind im Jahr 2012 allein gelassen, um zu einer Party zu gehen. Die heute 38-Jährige habe eigentlich in der Nacht oder am nächsten Morgen zurückkommen wollen. Aber auf dem Heimweg habe sie in einer Kneipe einen Mann kennengelernt und sei mit ihm in seine Wohnung gegangen. Während der Feier und auch in den Wochen danach seien Alkohol und Rauschgift konsumiert worden.
Der Junge war entdeckt worden, als eine Heilpädagogin und eine Erzieherin seines Kindergartens nach dem Rechten sehen wollten. In der Zwischenzeit hatte der Junge gegessen, was er in der Wohnung fand. Polizisten, die zum Öffnen der Wohnung gerufen worden waren, schilderten vor Gericht, dass der Junge eingekotet gewesen sei.
Es ist bereits der zweite Prozessanlauf. Die Frau war Ende 2015 zu den ersten zwei Verhandlungsterminen nicht erschienen. Gegen die Angeklagte, die mittlerweile in Nordrhein-Westfalen lebt, wurde Haftbefehl erlassen. Es sind zwei weitere Verhandlungstage angesetzt.