Flüchtlingsjunge Mohamed: "Er war ein lebensfrohes Kind" - DER SPIEGEL
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Getöteter Flüchtlingsjunge Mohamed "Er war ein lebensfrohes Kind"

In 30 Tagen läuft die Duldung von Mohameds Mutter ab - ihre Anwälte sind zuversichtlich, dass die Familie nicht abgeschoben wird. Der getötete Vierjährige soll in dieser Woche in Berlin bestattet werden.
Ein Bild des getöteten Mohamed: Hartnäckig und lebensfroh
Ein Bild des getöteten Mohamed: Hartnäckig und lebensfroh

Ein Bild des getöteten Mohamed: Hartnäckig und lebensfroh

Foto: Markus Schreiber/ AP/dpa
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Immer wieder stand der kleine Mohamed vor dem Atelier in Berlin-Reinickendorf und wollte mit den größeren Kindern malen. Das geht nicht, du bist noch zu jung für den Kurs, wurde der Vierjährige abgewimmelt. Aber Mohamed, dessen Familie aus Bosnien-Herzegowina nach Deutschland geflüchtet war, kam wieder und wieder, die schwarzen Haare kurz, dazu die immergleiche Latzhose an - bis er schließlich auch hineingelassen wurde.

Vaja Marcone hat das Malprojekt "Lichtgalerie" mitbetreut, das sich an Kinder und Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien wendet. Sie erinnert sich nun in Berlin an einen fröhlichen Jungen, einen hartnäckigen, der sich nicht so einfach abwimmeln ließ. "Er war ein lebensfrohes Kind", sagt sie. Ihre Stiftung "Giuseppe Marcone" hat Aufnahmen ins Netz gestellt, die Mohamed vergnügt beim Bemalen einer Laterne zeigen, die Hände und Latzhose sind voll bunter Farbe.

Wenige Monate nachdem die Bilder entstanden, verschwand Mohamed an der zentralen Registrierungsstelle für Flüchtlinge in Berlin-Moabit. Der 32-Jährige Silvio S. entführte, missbrauchte und erdrosselte den Jungen. Fast einen Monat lang fahndete die Polizei nach dem Täter, vergangene Woche schließlich führte ein Hinweis seiner Mutter zu Silvio S. Der gestand im Verhör auch den Mord an dem sechsjährigen Elias.

Ungewisse Zukunft der Familie

Die Eltern von Mohamed wollen ihren Sohn in den kommenden Tagen nach islamischem Ritus in Berlin bestatten lassen. Die Leiche sei freigegeben worden, sagte der Berliner SPD-Abgeordnete Ilkin Özisik auf einer Pressekonferenz in Berlin. Für die Mutter, ihre zwei Kinder und den Stiefvater von Mohamed sei es eine harte Zeit; fernab der eigenen Heimat, hilflos, mit ungewisser Zukunft.

Was die Lage noch zusätzlich erschwert: Die Duldung der Mutter läuft in 30 Tagen ab, danach kann sie theoretisch in ihr Heimatland abgeschoben werden - Bosnien-Herzegowina gilt als sicheres Herkunftsland. Ihre Anwälte sehen jedoch eine Chance, dass die Familie weiterhin in Deutschland bleiben kann.

Doch einen Raum zum Zurückziehen und Trauern hat die Familie noch nicht. Sie lebt immer noch in einer Flüchtlingsunterkunft, 30 Verwandte sind zudem aus anderen Teilen Deutschlands, Bosnien-Herzegowina und Schweden angereist, um ihnen Halt zu geben, erzählt einer ihrer Anwälte. Sie alle leben in einem Raum, schlafen nur in Schichten von wenigen Stunden.

Zumindest bis zum möglichen Prozess gegen Silvio S. wird die Mutter wohl bleiben dürfen, wenn sie dort auch als Zeugin vernommen werden soll. Sie hat sich als Nebenklägerin der Verhandlung angeschlossen. Anklage erhoben wird aber voraussichtlich nicht in Berlin, sondern in Brandenburg, der Heimat von Silvio S.

Was die Familie nun durchmacht, davon hat Vaja Marcone eine Ahnung. Sie hat selbst ihren Sohn Giuseppe gewaltsam verloren - nach ihm ist die Stiftung  benannt. Er wurde 2011 von Schlägern am Berliner U-Bahnhof Kaiserdamm angegriffen und vor ein Auto gejagt. "Am Anfang will man als Mutter nicht wahrhaben, was passiert ist", sagt Marcone. Der schlimmste Zusammenbruch, mutmaßt sie, stehe Mohameds Familie noch bevor.