Flugzeugentführung: Hijacker suchte Hilfe des Papstes - DER SPIEGEL
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Flugzeugentführung Hijacker suchte Hilfe des Papstes

Der Mann, der gestern ein türkisches Passagierflugzeug gekapert und zur Landung in Italien gezwungen hatte, wollte mit der Entführung einen Kontakt mit dem Papst erzwingen. Benedikt XVI. sollte ihn vor einer Gefängnisstrafe in der Türkei bewahren.
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Brindisi - Nach der Landung in Brindisi gab der zum Christentum übergetretene Türke gestern Abend auf. Alle 107 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder konnten die Maschine der Fluggesellschaft Turkish Airlines nach kurzen Verhandlungen verlassen.

Die Boeing 737 war auf dem Flug von Albanien nach Istanbul über griechischem Luftraum gekapert worden, weil der 28-Jährige, der in seine Heimat abgeschoben werden sollte, offensichtlich seiner Verhaftung entgehen wollte. Der Polizei zufolge bat der Mann jetzt in Italien um politisches Asyl. Die Ermittler prüfen noch, ob er einen Komplizen hatte. Zunächst war von zwei Entführern die Rede gewesen. Zudem hatte das türkische Fernsehen berichtet, die Entführer hätten aus Protest gegen die geplante Türkeireise des Papstes gehandelt.

Die türkische Nachrichtenagentur Dogan meldete, der Mann sei als Betrüger und Taschendieb vorbestraft. Im Mai habe er sich nach Albanien abgesetzt. Der Entführer sei dorthin im Mai aus seiner Garnison in der Türkei desertiert und habe dort vergeblich um Asyl ersucht. Die türkische Botschaft habe die örtlichen Behörden in Istanbul zuvor informiert, dass er an Bord des später entführten Flugzeugs aus Albanien in die Türkei abgeschoben werden sollte. Er sollte der Militärpolizei übergeben werden. Türkischen Berichten zufolge habe er den Militärdienst aus Gewissensgründen verweigert und dem Papst bereits im August einen Brief geschrieben haben, in dem er ihn um Hilfe bittet und angibt, im Christentum "das wahre Leben" gefunden zu haben.

Ein Vertreter der Flugaufsicht beschrieb das Verhalten des Täters in den Verhandlungen als kooperativ. Provinzpräsident Michele Errico sagte, der Mann habe einen "verängstigten" Eindruck gemacht. Beim Verlassen der Maschine soll er sich bei den Passagieren entschuldigt haben.

Laut CNN Türk weigerten sich die Behörden, wie gefordert eine Botschaft an den Papst zu übermitteln. Passagiere berichteten, sie hätten keine Waffen bemerkt und auch keine Gewaltanwendung beobachtet. Der türkische Verkehrsminister Binali Yildirim sagte, möglicherweise habe ein hochgehaltenes Paket als Drohung genügt. Angaben der Fluggesellschaft zufolge waren alle Insassen der Maschine wohlauf. Zunächst war von zwei Entführern die Rede gewesen, die die Maschine in ihre Gewalt gebracht hätten.

Luftwaffe eskortierte entführte Maschine

Der Pilot hatte dem griechischen Verteidigungsministerium zufolge zwei Notrufe abgesetzt. Griechische Kampfjets geleiteten das Flugzeug daraufhin bis zum italienischen Luftraum. Dort wurde es von der italienischen Luftwaffe zum Flughafen Brindisi eskortiert. Das Rollfeld wurde gesperrt und die Maschine von Polizei-, Militär- und Feuerwehrleuten umstellt, wie der Leiter der Flughafenpolizei berichtete.

Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, der Papst sei über die Entführung informiert worden. Der Vatikan habe die Ereignisse aufmerksam verfolgt. Benedikt hatte während seiner Deutschlandreise im September mit einem Vortrag über Religion und Vernunft Empörung in der muslimischen Welt ausgelöst. In der Rede hatte er einen byzantinischen Kaiser zitiert, der dem Propheten Mohammed vorwarf, dieser habe die Ausbreitung des Islam mit dem Schwert gefordert. Benedikt hat die Wirkung seiner Rede mittlerweile mehrfach bedauert und klargestellt, dass er sich das strittige Zitat nicht zu eigen gemacht habe.

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche plant vom 28. November bis 1. Dezember eine Reise in die Türkei. Dabei will er als Gast des türkischen Staatspräsidenten Ahmet Necdet Sezer Ankara, Istanbul und die historische Stadt Ephesus besuchen. Nach seinen umstrittenen Äußerungen hatte es auch aus der Türkei Kritik am Pontifex gegeben. Ministerpräsident Tayyip Erdogan gehörte zu den Kritikern, die sich nicht völlig zufrieden mit Benedikts Entschuldigung zeigten.

In der Türkei sind in den vergangenen Jahren wiederholt Flugzeuge entführt worden. Die Täter waren meist kurdische Rebellen, Islamisten oder sympathisierten mit den Zielen der Separatisten in Tschetschenien.

dab/Reuters/dpa