Franceso Schettino auf der Costa Concordia - DER SPIEGEL
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Schettino auf der "Costa Concordia" Die späte Rückkehr des "Capitano dilettante"

Francesco Schettino, Kapitän der "Costa Concordia", hat das Wrack in Begleitung von Staatsanwälten, Gutachtern und Anwälten besichtigt. Schon zuvor hatten sich offenbar Techniker heimlich auf das Schiff geschlichen. Um etwas zu vertuschen?
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Schon am Dienstagabend kam er mit der Fähre. "Bewegt" wäre er gewesen, berichteten Passagiere, als er das hell beleuchtete Wrack der "Costa Concordia" an der Hafeneinfahrt der kleinen toskanischen Insel Giglio passierte. Wie auch nicht?

32 Menschen waren gestorben, als Kapitän Francesco Schettino das Kreuzfahrtschiff dort am 13. Januar 2012 offenbar mit abenteuerlichen Manövern in die Havarie führte. Viele Passagiere und Crew-Mitglieder waren verletzt und traumatisiert worden.

Im Hafen verschwand Schettino in einem Auto und ward nicht mehr gesehen, bis er am Donnerstagvormittag zum ersten Mal nach dem Desaster das Unglücksboot wieder betrat. Mühsam bahnte er sich einen Weg durch ein Großaufgebot von Journalisten, Kameramännern und Schaulustigen.

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Schiffsunglück: Schettino zurück auf der "Costa Concordia"

Foto: FILIPPO MONTEFORTE/ AFP

Er hatte darum gebeten, das Team aus Staatsanwälten, Gutachtern und Anwälten begleiten zu dürfen, "als Zeichen des Respekts für die Opfer", so sein Verteidiger, "die er retten wollte, als das Schiff, nicht aus seiner Schuld, zerbarst".

Heimliche Tatort-Inspektion in "Costa"-Auftrag?

"Präzise Hinweise" werde er den vom Gericht bestellten Technikern an Bord geben, hatte Schettino zuvor in einem kurzen Interview mit dem Fernsehsender RAI gesagt, "um die Wahrheit ans Licht zu bringen": Die Technik der "Costa Concordia" nämlich habe versagt - nicht er. Darum wolle er zeigen, "dass ich ein Ehrenmann bin und kein Feigling".

In der Tat sieht auch das Gericht trotz einer ersten gutachterlichen Besichtigung am 23. Januar diesen Jahres noch einigen Aufklärungsbedarf zum technischen Teil der Katastrophe. Warum fiel das Licht aus? Warum funktionierten Fahrstühle nicht? Waren Steuerungssysteme durch den Stromausfall blockiert? Insbesondere den Notstromgenerator wollten die Bordbesucher am Donnerstag deshalb inspizieren.

Das haben offenbar andere auch schon getan, illegal. Am 22. Januar, ausgerechnet am Tag vor jener ersten Besichtigung, sind wohl mindestens zwei Personen unbefugt auf das erst kurz zuvor aufgerichtete Schiff geschlichen, haben die amtlichen Siegel aufgebrochen und sich an allerlei Installationen zu schaffen gemacht. Auch sie waren vor allem am Dieselgenerator und an den elektrischen Notfallsystemen interessiert.

So jedenfalls sieht es die Staatsanwaltschaft der toskanischen Provinzhauptstadt Grosseto, in deren Zuständigkeitsbereich auch Giglio fällt. Sie hat deshalb jetzt ein Verfahren gegen zwei namhafte Experten eröffnet:

  • Commandante Camillo C., früher Kommandant der "Costa"-Kreuzfahrtflotte, dann "Costa"-Berater, derzeit in Diensten des Beratungsunternehmens Martinoli, das wiederum für die Reederei Costa Crociere arbeitet.
  • Ingenieur Franco P., Leiter der komplizierten Aufrichtung des gekenterten Riesenschiffs und seither vom Gericht bestellter Hüter des versiegelten "Tatorts". Ausgerechnet der habe Camillo C. und womöglich weitere "Costa"-Profis an Bord gelassen, glaubt die Staatsanwaltschaft.

Ans Licht kam die Sache, weil Camillo C. während der offiziellen Experten-Visitation prahlte, er habe alles schon am Vortag geprüft, sämtliche Systeme funktionierten. Ein späteres Dementi - er habe ein anderes Schiff gemeint - half nicht mehr.

"Jetzt ist es zu spät"

Nicht nur, dass er und sein möglicher Helfer Franco P. nun Probleme haben. Auch die Fragen an die Reederei, die schon unmittelbar nach der Katastrophe gestellt worden waren, werden nun wieder virulent: War das Schiff technisch in Ordnung oder ist es mit riskanten Mängeln auf die Reise geschickt worden? Was hat die Reederei ihrem Kapitän in den Telefonaten geraten oder befohlen, die geführt wurden, als das Schiff längst in Seenot war, aber keine Notrufe absandte?

Und: Was wollten oder sollten die heimlichen "Costa"-Inspekteure sehen, bevor es die amtlichen Kollegen sehen durften? Haben sie womöglich sogar defekte Teile repariert oder ausgetauscht?

Für die "Costa"-Kreuzfahrtbetreiber könnte das in den laufenden zivilrechtlichen Prozessen eine Rolle spielen. Strafrechtlich ist das Unternehmen längst aus dem Schneider. Es hat sich mit der Justiz schon im vorigen Frühjahr ohne Prozess auf eine Geldstrafe von einer Million Euro geeinigt. Seitdem fungiert die Firma im Prozess nicht mehr als Angeklagte sondern als zivilrechtliche Nebenklägerin, die Ersatz für ihren Schaden fordert, der irgendwo zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro liegen dürfte. Bei "Capitano dilettante", wie Medien Kapitän Schettino tauften, ist freilich kaum etwas zu holen. Auf alles, was er besaß, hat schon die Justiz die Hände gelegt - zur Begleichung der Gerichts-, Anwalts- und Gutachterkosten.

Nach der Wrackbegehung am Donnerstag kommentierte er den Termin nicht, das dürfe er nicht, sagte er den Journalisten. Nur so viel: "Ich habe mich hier offen gezeigt, ich stehe vor Gericht." Anwälte der Opfer hatten deutlichere Worte gefunden: "Er hätte in der Nacht aufs Schiff zurückkehren sollen, jetzt ist es zu spät."