Gefängnis Heidering: Berlin hat eine neue Haftanstalt - DER SPIEGEL
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Berlin: Neues Gefängnis in Apfelgrün und Weiß

Foto: Marc Tirl/ dpa

Komfort-Knast Klammes Berlin leistet sich neues Gefängnis

Es ist ein Prestigebau für 118 Millionen Euro: Berlin hat ein neues Gefängnis gebaut, in wenigen Tagen wird es eröffnet. Doch schon bevor die ersten Häftlinge kommen, gibt es Diskussionen. Wird der Knast wirklich gebraucht? Und muss er so komfortabel sein?
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Berlin - Eine Fußmatte liegt schon bereit. Dort, wo die Häftlinge im neuen Berliner Gefängnis Heidering ankommen werden, steht auf einem Abtreter eine schlichte Botschaft: Welcome. Das graue Textilstück hat auf der anderen Seite noch einen Aufdruck: Goodbye. "Wir sind hier kein Kerker, sondern eine moderne Berliner Justizvollzugsanstalt", sagt Leiterin Anke Stein.

In den Häusern mit großen Fensterfronten, weißen Wänden, apfelgrünen Böden und rostroten Fassaden sieht es so gar nicht nach Knast aus - wäre da nicht ringsum der bis zu sechs Meter hohe Doppel-Metallzaun mit Drahtrollen. In diesen Tagen wird überall auf der 15 Hektar großen Anlage im Endspurt gewerkelt, verspachtelt und angeschlossen. Noch hallt es in vielen der leeren Räume. Am 21. März wird das neue Hauptstadt-Gefängnis auf einem Berliner Grundstück im Land Brandenburg nahe der Gemeinde Großbeeren offiziell eröffnet.

Dringend werde es gebraucht, sagen die Befürworter. Denn das deutschlandweit größte Männergefängnis in Berlin-Tegel ist veraltet und marode. Gerichte hatten Klagen von Häftlingen stattgegeben und ihnen eine verfassungswidrige Unterbringung bescheinigt. Die abgeschottete Anstalt in Tegel stammt aus dem Jahr 1898.

"Luxus und Gefängnis schließt sich aus"

Kritiker finden Heidering dagegen überflüssig: Berlin leiste sich trotz leerer Kassen auf der grünen Wiese einen Prestigebau für 118 Millionen Euro, mit Kunst, ungewöhnlichen Farben und schicken Sportplätzen - von denen viele Schulen nur träumen könnten.

"Luxus und Gefängnis schließt sich aus", sagt die Leitende Regierungsdirektorin Stein, 42. Aber: "Wenn wir Menschen entlassen, die keine Freizeitstruktur erlernt haben, dann ist das nicht gut." Und beim Fußball zum Beispiel könnten Teamgeist, Abbau von Aggressionen und Umgang mit Niederlagen erprobt werden. Im geschlossenen Vollzug in Heidering könne im Kleinen für ein straffreies Leben draußen geübt werden - und genau dafür würden die Sportstätten gebraucht.

Ende April sollen die ersten Gefangenen einziehen. Sie werden aus Berliner Anstalten verlegt. Bis zum Jahresende sollen die 648 Plätze mit verurteilten Tätern belegt sein, die mehrjährige Haftstrafen verbüßen. "Lebenslängliche" werden nicht dabei sein. Stein führt durch die 280 Meter lange "Vollzugsmagistrale", die die drei x-förmigen Teilanstalten, Werkstätten, Sporthalle und Sozialräume miteinander verbindet. Auch hier reichen die Fenster vom Boden bis zur Decke. "Als Waffe kann das Glas nicht verwendet werden. Es würde fein bröseln wie bei einer Windschutzscheibe", sagt sie. Die Gefangenen werden durch den gläsernen Gang ohne Bewachung zur Arbeit oder zum Arzt gehen.

Zelle - der Begriff wird hier nicht gern gehört, ebenso wenig wie Schließer oder Wärter. Die Zelle heißt Haftraum. Auf zehn Quadratmetern sind Bett, Tisch, Stuhl, Schrank, Regal und ein getrennter Sanitärbereich angeordnet. Die Spülkästen sind wegen der Sicherheit außerhalb angebracht. Die hohen Fenster haben einen "Lüftungsflügel" mit Lochblech davor.

Pro Gebäude-X hat der österreichische Architekt Josef Hohensinn 216 Einzelhafträume auf drei Etagen vorgesehen. Wo die Gänge wie in der Mitte eines Sterns aufeinandertreffen, thront jeweils ein Glaskasten mit garantiertem Rundumblick für die Aufsicht. Im Familienzimmer in der ersten Etage des Hauses, in dem Gefangene Besuch bekommen können, ist die grüne Küchenecke schon eingebaut, Tisch, Couch und Fernseher kommen noch dazu.

Von Jutta Schütz, dpa