Gefängniskleidung: Einheitslook im Jugendknast - DER SPIEGEL
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Gefängniskleidung Einheitslook im Jugendknast

So zügig wie möglich möchte die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue die Häftlinge im Jugendgefängnis neu einkleiden. Alle sollen gleich aussehen - damit es weniger Stress gibt und man Besucher und Insassen unterscheiden kann.
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Wenn alle gleich aussehen, gibt es keinen Neid, keine Cliquenbildung - und somit weniger Ärger. Diese Vorteile sehen manche Eltern und Lehrer in der Einführung von Schuluniformen. Mit den gleichen Argumenten verteidigt auch die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) eine neue Regelung im Jugendknast: Die Einführung von einheitlicher Anstaltskleidung.

"Wir wollen davon wegkommen, dass Markenklamotten von Anführern missbraucht werden, um Häftlinge zu unterdrücken", sagte sie in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Selbst ernannte Gang-Chefs würden versuchen, mit Markenkleidung ihre Position zu stärken - und Schwächere erpressen. "Ich denke, mit Anstaltskleidung können diese subkulturellen Strukturen wirkungsvoll bekämpft werden", sagte von der Aue.

Doch es sind nicht etwa schwarz-weiß-gestreifte Shirts oder die rot-blauen Uniformen der Panzerknacker aus den Micky-Maus-Heften, die der Justizsenatorin vorschweben. Vielmehr soll es für die Jugendlichen einfach nur einheitliche Jeans, T-Shirts und langärmelige Oberteile geben. "Es geht aber nicht um Stigmatisierung von jungen Menschen, sie sollen sich mit der neuen Kleidung auch identifizieren können", sagte die Senatorin. Bei gleichen Schnitten und Materialien könne es verschiedenfarbige Shirts geben.

"So zügig wie möglich"

Ob die Jugendlichen die Einheitskleidung auch bei Besuchen tragen müssen, ist noch unklar. Das werde nach Abschluss einer Sicherheitsanalyse entschieden, sagte die Senatorin. Mitte Oktober war es einem Gefangenen gelungen, sich als Besucher auszugeben und aus dem Gefängnis zu kommen. Die Kleidung der Inhaftierten müsse so beschaffen sein, dass es den Bediensteten möglich sei, Gefangene von Besuchern klar zu unterscheiden, unterstrich die SPD-Politikerin.

"So zügig wie möglich" möchte die Senatorin die Häftlinge einkleiden. Das dürfte kein Problem sein: Die Einführung von Gefängniskleidung ist bereits im Berliner Gesetz zum Jugendstrafvollzug festgelegt. Mit dem jetzt verabschiedeten Papier wird der Umgang mit jungen Straftätern im Gefängnis erstmals extra geregelt. Das Bundesverfassungsgericht hatte entsprechende Bestimmungen in den Ländern bis zum Jahresende gefordert.

Wieviel der Einheitslook kosten wird - das sei noch unklar, sagte von der Aue. "Ich bin sehr froh, dass für die Umsetzung des Jugendstrafvollzugsgesetzes in den Haushalt Zuwendungsmittel für freie Träger eingestellt worden sind."

Das Jugendgefängnis in Plötzensee war zuletzt wegen umfangreichen Drogen- und Handyschmuggels in die Schlagzeilen geraten. Dort haben rund 80 Prozent der rund 500 Inhaftierten einen Migrationshintergrund, rund 40 Prozent sind Intensivtäter.

kat/dpa