Gefundene Babyleichen: Mutter gesteht einzelne Tötungen - DER SPIEGEL
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Gefundene Babyleichen Mutter gesteht einzelne Tötungen

Die festgenommene Sabine H. hat gestanden, mehrere ihrer Babys umgebracht zu haben. Nach Angaben der Polizei erinnert sich die Brandenburgerin aber nur an einzelne Taten. Nach dem Fund von neun Babyleichen ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen des Verdachts des Totschlags.
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Frankfurt an der Oder - "Manchmal erinnert sie sich, manchmal nicht", sagte Polizeisprecher Peter Salender heute. Am frühen Morgen hatte er davon gesprochen, dass Sabine H. weder gestehe, noch leugne. "Es fügt sich langsam zu einem Bild", sagte Salender. Laut der Berliner Zeitung "BZ" ist die 39-jährige Mutter von vier Kindern im Alter von 20, 19, 18 und eineinhalb Jahren wieder im sechsten Monat schwanger. Diesen Informationen gingen die Ermittler gerade nach, teilte Salender mit.

Nach Recherchen von SPIEGEL ONLINE war die Frau dem Jugendamt zum ersten Mal im Juni aufgefallen. Zuvor soll sie noch nicht aktenkundig gewesen sein. Wie Bekannte der Frau berichteten, hatte das Jugendamt die jüngste Tochter von Sabine H. kurzzeitig in seine Obhut genommen. Es soll dabei um Alkohol und Vernachlässigung gegangen sein. Nachbarn hatten Sabine H. als zierliche Frau mit Pferdeschwanz beschrieben, die immer freundlich gegrüßt habe.

Die Polizeibeamten gehen davon aus, dass die Kinder unmittelbar nach der Geburt von ihrer Mutter getötet wurden. Die Spurensuche auf dem Grundstück in Brieskow-Finkenheerd, wo die Leichen gefunden wurden, wurde indes mit Spürhunden fortgesetzt. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Knochen gefunden würden, sagte ein Polizeisprecher. Details zu dem wohl grausigsten Fall von Kindstötung in der deutschen Kriminalgeschichte will die Staatsanwaltschaft Frankfurt an der Oder am Nachmittag bei einer Pressekonferenz bekannt geben.

Die Leichen waren am Sonntag nach Hinweisen eines Zeugen unter Erde in Blumenkästen und -kübeln sowie einem Aquarium auf dem Grundstück gefunden worden. Das Gelände hinter zu einem Einfamilienhaus gehörenden Garagen gehört den Eltern der Verdächtigen. Die Frau wurde gestern festgenommen. Nach Erlass eines Haftbefehls sitzt sie in Untersuchungshaft. Nach bisherigen Ermittlungen sollen die Kinder zwischen 1988 und wahrscheinlich 2004 zur Welt gekommen sein.

Sabine H., eine arbeitslose Zahnarzthelferin, lebte laut "Bild"-Zeitung selbst in Frankfurt an der Oder. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte sie aber in den vergangenen Jahren unter anderem in Eisenhüttenstadt gewohnt und war mehrmals umgezogen.

Laut "Bild" habe sie vor 17 Jahren erstmals einen Blumentopf zu ihren Eltern gebracht und dort in der Garage untergestellt, weil sie in ihrer Stadtwohnung nicht genug Platz dafür habe. Mit 17 hatte sie dem Bericht zufolge ihren ein Jahr älteren Freund kennengelernt, einen NVA-Offizier und späteren Stasi-Mitarbeiter. Sie wurde schwanger, 1984 kam eine Tochter zur Welt, zwei weitere Kinder folgten in den beiden darauffolgenden Jahren. Die Ehe habe jedoch nicht gehalten.

Vor zwei Jahren musste Sabine H. wegen Mietschulden aus ihrer Wohnung ausziehen. Danach habe sie in einem Wohnwagen auf dem Grundstück ihrer Eltern gewohnt. In dieser Zeit sei sie erneut Mutter geworden.

Die Einwohner der 2700 Einwohner zählenden Gemeinde reagierten fassungslos und bestürzt auf den grausigen Fund. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) äußerten sich tief erschüttert. "Wir stehen vor einem Verbrechen, das es in diesem Ausmaß in der Geschichte der Bundesrepublik nach meiner Erinnerung noch nie gegeben hat", sagte Schönbohm.

Erst vergangene Woche waren in Magdeburg und bei Gütersloh zwei tote Babys gefunden worden. Im Juni entdeckten Spaziergänger am Ufer eines Sees in der Nähe des niedersächsischen Gifhorn einen Säugling mit durchgeschnittener Kehle in einer Plastiktüte. Nur einen Tag zuvor hatte ein Anwohner in einer Mülltonne im hessischen Mühlheim ein totes Baby gefunden. Anfang Mai brachte eine 20 Jahre alte Frau in Balingen unbemerkt zu Hause ein Kind zur Welt und erstach es mit einer Haushaltsschere.

Im Dezember 2000 war in Erfurt ein neugeborener Junge tot gefunden worden. Anhand eines Gentests überführt die Polizei eine Mutter von fünf Kindern. Die Frau gab zu, das Kind sowie einen weiteren Sohn und eine Tochter nach der Geburt ertränkt, erstickt beziehungsweise erwürgt zu haben.