Nach Geheimdienstinformationen Fahnder nehmen mutmaßlichen Saboteur in Hamburg fest
Sichergestellte Ausrüstung der mutmaßlichen Saboteure (Polizeifoto vom 25. August)
Foto:Polícia Slovenskej republiky / Facebook
Nach einem mutmaßlich vereitelten Brandanschlag auf eine Drohnenfabrik im Osten der Slowakei hat die deutsche Polizei einen der Tatverdächtigen gefasst. Nach SPIEGEL-Informationen erfolgte der Zugriff am Dienstag in Hamburg. Bei dem mutmaßlichen Saboteur handelt es sich um einen 26-jährigen Mann mit lettischer Staatsangehörigkeit.
Wie eine Sprecherin der Hamburger Generalstaatsanwaltschaft auf SPIEGEL-Anfrage bestätigte, sei gestern in der Hansestadt ein von einem slowakischen Gericht erlassener europäischer Haftbefehl gegen den Beschuldigten vollstreckt worden. Zudem liege ein Ersuchen der Slowakei um Auslieferung des 26-Jährigen vor. Auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft habe das zuständige Hamburger Amtsgericht inzwischen eine sogenannte Festhalteanordnung erlassen. Der Lette befinde sich derzeit in Deutschland in Haft.
Nach Ermittlungen der slowakischen Sicherheitsbehörden soll der in Hamburg gefasste Mann gemeinsam mit einem weiteren Letten und einem ukrainischen Staatsbürger einen Brandanschlag auf eine Drohnenfabrik vorbereitet haben. Parallel zu der Festnahme in Hamburg seien die mutmaßlichen Komplizen in der Slowakei verhaftet worden, teilte die dortige Polizei mit.
Dem Trio werde vorgeworfen, »im Auftrag« nicht genannter Dritter einen Brandanschlag auf eine Fabrik für Luftfahrtsysteme in der Ostslowakei vorbereitet zu haben, in der offenbar auch militärisch genutzte Drohnen hergestellt werden. Der Nato-Mitgliedstaat Slowakei grenzt im Osten an die Ukraine. Ob die in der Fabrik hergestellten Drohnenkomponenten auch im Konflikt mit Russland zum Einsatz kommen, blieb zunächst unklar.
Die Festnahmen seien aufgrund von Informationen des slowakischen Geheimdienstes erfolgt; bei den Verdächtigen habe man laut Polizei größere Mengen eines napalmähnlichen Brandgemisches, technische Ausrüstung und handschriftliche Aufzeichnungen sichergestellt.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft im slowakischen Prešov gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters befinden sich auch die in der Slowakei festgenommenen Männer inzwischen in Untersuchungshaft.
Der Rechtsanwalt des in Deutschland festgenommenen Beschuldigten, der Hamburger Strafverteidiger Christian Lange, wollte auf SPIEGEL-Anfrage »zunächst keine Stellungnahme« zu den Vorwürfen gegen seinen Mandanten abgeben. Die Verteidigung der beiden anderen Beschuldigten war am Mittwoch nicht erreichbar.
Anmerkung der Redaktion: Der Text wurde um ein Zitat des Verteidigers ergänzt