Großbritannien: Rassismusdebatte um Prügelvideo - DER SPIEGEL
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Großbritannien Rassismusdebatte um Prügelvideo

Streit um ein Video aus einer Überwachungskamera: Es zeigt einen Polizisten, der bei einer Festnahme auf eine junge schwarze Frau einschlägt. Die Aufnahmen wurden von einem Bürgerrechtler an die Öffentlichkeit gebracht, der allerdings selbst schon wegen einer rassistisch motivierten Attacke verurteilt wurde.
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Sheffield - Ruggie Johnson spielt eine Hauptrolle im Hintergrund des Falles von Polizeigewalt, der Großbritannien empört hat, berichtet die britische Zeitung "The Times". Der 42-Jährige Vorsitzende der "Monitoring Group North", einer Organisation, die sich für die Rechte ethnischer Minderheiten einsetzt, habe das Überwachungsvideo der Zeitung "Guardian" und dem Sender BBC angeboten.

Die Bilder aus dem Mai 2006 zeigen die Festnahme der damals 19-jährigen Toni Comer vor einem Nachtclub in Sheffield. Der betrunkenen dunkelhäutigen Frau war der Zutritt zu dem Club verwehrt worden, woraufhin sie anfing zu randalieren. Sie verursachte einen Schaden von mehreren tausend Euro an einem Wagen, der in der Nähe geparkt war.

Die telefonisch gerufenen Polizisten versuchten, Comer zu verhaften, wogegen diese sich zur Wehr setzte. Die Beamten wendeten daraufhin massive Gewalt an: Die Bilder aus der Überwachungskamera zeigen, wie der Polizist Anthony Mulhall fünf Mal mit voller Kraft auf die am Boden liegende Comer einschlägt. Mulhall sagte aus, Comer habe ihn zuvor angespuckt, getreten, geschlagen und gebissen. Die heute 20-Jährige hat jedoch nach eigenen Angaben keinerlei Erinnerung an den Vorfall.

Bürgerrechtler Johnson hat den Vorfall mit rassistischen Gewaltexzessen der Polizei im Süden der USA verglichen. "Wir alle wissen, dass diese junge Frau nicht dermaßen brutal behandelt worden wäre, wenn sie weiß wäre", so Johnson.

Nicht erwähnt hat Johnson allerdings einen Vorfall aus dem Januar, in dem er selbst eine Hauptrolle gespielt hatte: Er war mit einer Verkehrspolizistin in Streit geraten und hatte die hellhäutige Frau rassistisch beleidigt und bedroht. Gestern wurde er für sein Verhalten vom Sheffield Crown Court verurteilt. Die Affäre sei lediglich wegen der "böswilligen Strafverfolgung" der Ermittler entstanden, sagte Johnson der "Times".

Eine unabhängige Beschwerdekommission der Polizei will den Vorfall untersuchen. Bis zum Abschluss der Ermittlungen ist Mulhall vom Außendienst befreit. Meredydd Hughes, Polizeichef von Sheffield, sagte, dass das Video eine verfälschte Version des Vorfalls zeige. Erst wenn alle Fakten ermittelt seien, könne man den Fall bewerten. Allerdings nahm Hughes seine Beamten grundsätzlich in Schutz: "Ich bin immer wieder von der Toleranz und Geduld der Polizisten auf Streife überrascht. Sie haben spät in der Nacht mit betrunkenen und gefährlichen Leuten zu tun", so Hughes.

Beverly Jamerson von der Vereinigung schwarzer Polizisten stellte sich ebenfalls vor ihren Kollegen: "Nach unseren Informationen handelt es sich um einen professionellen Beamten, der seiner Pflicht im Rahmen der Gesetze nachgekommen ist. Wir werden trainiert, mit Konfliktsituationen umzugehen, und er hat das getan, so gut er es konnte."

jto

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