Gutachten Josef F. hatte zum Schluss Angst vor Keller-Familie
Hamburg - Hatte der wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Inzest-Täter von Amstetten Angst vor seiner im Keller seines Hauses 24 Jahre gefangen gehaltenen Tochter und deren heranwachsenden Kindern? Davon ist die Linzer Gerichtsgutachterin Adelheid Kastner überzeugt. Der heute 73-jährige Josef F. habe zum Schluss befürchtet, "dass ihn da unten jemand mal attackieren könnte. Am Schluss haben dort immerhin drei Erwachsene gelebt. Also drei gegen einen", sagte Kastner dem "Stern".
Kastner hatte F. vor dem Schwurgericht in St. Pölten in der vergangenen Woche zwar eine schwere Persönlichkeitsstörung, aber volle Zurechnungsfähigkeit bescheinigt. Nach ihrer Einschätzung hatte F. tatsächlich geplant, seine im Keller gefangene Zweitfamilie aus dem Kerker nach oben zu holen. Er sei davon ausgegangen, dass das Verbrechen nicht auffliegen würde. F. sei überzeugt gewesen, dass seine Tochter nicht zur Polizei gehen würde.
Bis in den Prozess hinein sei sich der Rentner der Schwere seiner Taten offenbar nicht bewusst gewesen. Erst mit der elfstündigen, auf Video aufgezeichneten Aussage seiner Tochter sei "seine Welt endgültig zusammengebrochen".
Ein Geschworenengericht hat Josef F. wegen Mordes, Sklaverei und Vergewaltigung zu lebenslanger Haft verurteilt und seine Einweisung in eine geschlossene Anstalt verfügt. Mehrere Psychologen warnten, dass F. wegen seiner abnormen Persönlichkeit und seines extrem ausgeprägten Machttriebs nach der Verurteilung stark selbstmordgefährdet sei.
F. hatte seine Tochter Elisabeth 24 Jahre lang in einem Kellerverlies gefangen gehalten und unzählige Male vergewaltigt. Er zeugte mit ihr sieben Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb, weil es nicht ärztlich versorgt wurde.