David Hicks: Im Camp X-Ray
Häftling in Guantanamo "Sechs Jahre Hölle"
Hamburg - "Mein Käfig", nennt David Hicks seine Zelle im Camp X-Ray in . Drei Schritte lang, drei Schritte breit war dieser Käfig im Freien. Knapp sechs Jahre wurde der Australier in Guantanamo unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten, "sechs Jahre Hölle", wie er selbst sagt.
Der 35-Jährige hat seine Erinnerungen an diese Zeit zu einem Buch mit dem Titel "Guantanamo: My Journey" verarbeitet, das nun erschienen ist.
Hicks wurde vorgeworfen, al-Qaida-Ausbildungslager in Afghanistan besucht und kurze Zeit an der Seite der Taliban gekämpft zu haben. Er selbst beteuert, "nie etwas mit Terrorismus zu tun gehabt" zu haben.
Hicks war im Dezember 2001 in Afghanistan gefangen genommen und Anfang 2002 nach Guantanamo gebracht worden.
"Meinen Platz im Käfig teilte ich mit zwei Eimern", beschreibt Hicks seine Zelle im berüchtigten und mittlerweile aufgelösten Camp X-Ray. "Aus einem der Eimer trank ich, den anderen benutze ich als Toilette." Während die Umgebung des Camps vom US-Militär gerodet wurde, hätten aufgeschreckte Tiere in den Zellen der Gefangenen Zuflucht gesucht, "Skorpione, Schlangen und 23 Zentimeter große Taranteln".
"Wir durften nur aufstehen, wenn wir den Befehl erhielten"
Zu der Ausstattung der Zelle gehörten zudem eine Isoliermatte, ein Tuch, ein Laken, eine Flasche Shampoo, das "wie Industriereiniger roch" und ein "mutmaßliches" Stück Seife, wie Hicks schreibt. "Wenn man die Zahnpastatube nach unten hielt, quoll auch ohne zu drücken eine weiße, stinkende Flüssigkeit heraus."
Zusammen mit ihrem Erkennungsband am Handgelenk mussten die Gefangenen ihre Zahnbürste, deren Griff um Dreiviertel gekürzt worden war, bei stündlichen Inspektionen - tags und nachts - vorzeigen, so hätten die Wachleute sicherstellen wollen, "dass wir daraus keine scharfe Waffe gebastelt hatten".
Schutz vor den Elementen bot die Zelle mit dem Betonboden, die mit starkem Maschendraht umzäunt war, nicht. Nur zwei Körperhaltungen seien den Häftlingen in der Zelle erlaubt gewesen: Sitzen oder Liegen, so weit wie möglich vom Draht entfernt. "Wir durften nur aufstehen, wenn wir den Befehl erhielten, und die größte Sünde war es, wenn man den Draht berührte."
"Nebel aus Zweifel und Angst, Schmerz und Verwirrung"
Nach zwei Tagen sei er zum ersten Mal Zeuge geworden, wie ein Gefangener brutal von Wachleuten verprügelt worden sei, schreibt Hicks. Ein Afghane mit einer Beinprothese sei von sechs Wärtern zusammengeschlagen worden, einer der sechs sei ein Hundeführer "mit einem großen deutschen Schäferhund" gewesen. "Der Hund bellte und knurrte nur Zentimeter vom Gesicht des Afghanen entfernt, während dieser verprügelt wurde."
Während der ersten beiden Wochen, so Hicks, sei es verboten gewesen, "zu schlafen, zu sprechen, sich zu bewegen, sich umzusehen". Weder er noch seine Mitgefangenen hätten in diesem "Nebel aus Zweifel und Angst, Schmerz und Verwirrung" gewusst, was mit ihnen geschehen würde.
Im März 2007 war Hicks nach einem Deal mit der US-Militärjustiz zu sieben Jahren Haft verurteilt worden, er bekannte sich damals der "Beihilfe zum Terrorismus" für schuldig und wurde in seine Heimat Australien abgeschoben, lebte dann in Adelaide weitere zwölf Monate unter Militäraufsicht.
Honorar? Eine Frage "für Hicks und seinen Anwalt"
Ob David Hicks vom Verkaufserlös seines Buches wird profitieren können, ist nach einem Bericht des "Sydney Morning Herald" umstritten. Laut australischer Gesetzgebung ist es demnach verboten, aus einem Verbrechen Profit zu schlagen. Eine Sprecherin des Verlages Random House, der "My Journey" veröffentlicht, sagte dem Blatt, was mit dem Autorenhonorar des Buches zu geschehen habe, sei eine Frage "für Hicks und seinen Anwalt".
Vermutungen, Hicks habe einen Ghostwriter gehabt, wies die Sprecherin ebenso zurück wie Vorwürfe, der Verlag kollaboriere mit Terroristen.
Insgesamt wurden nach der US-amerikanischen Invasion in Afghanistan 2002 mehr als tausend angebliche Terrorverdächtige nach Guantanamo gebracht, denen man den Kriegsgefangenenstatus nach der Genfer Konvention verwehrte. Menschenrechtsorganisationen prangerten immer wieder die dort eingesetzten Foltermethoden wie Waterboarding sowie die hohe Selbstmordrate unter den Gefangenen an.
2009 hatte US-Präsident Barack Obama die Auflösung des Gefangenenlagers Guantanamo angekündigt. Mehr als hundert Personen sind dort momentan noch inhaftiert.