Häftlingsmord Siegburger Gefängnischef wird versetzt
Siegburg - Wie Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) am Abend mitteilte, wechselt der bisherige Gefängnisleiter ans Landesjustizvollzugsamt nach Wuppertal. Ein erfahrener Mitarbeiter dieses Amtes werde die Gefängnisleitung in Siegburg übernehmen. Die JVA Siegburg gilt als besonders "harter Knast".
In den kommenden Tagen werde eine externe unabhängige Expertenkommission damit beginnen, die Gewalt und deren Ursachen in den einzelnen Jugendhaftanstalten in Nordrhein-Westfalen zu untersuchen. Um die Lage in den Anstalten zu entspannen, sollen außerdem zusätzliche Haftplätze geschaffen werden.
Darüber hinaus richtet Nordrhein-Westfalen der Ministerin zufolge erstmalig in Deutschland für den Strafvollzug die Institution eines neutralen und weisungsunabhängigen Ombudsmanns ein. Er soll demnach spätestens ab Anfang nächsten Jahres Anlaufstelle für Gefangene, Angehörige, Justizvollzugsbeamte und ehrenamtlich im Vollzug tätige Menschen sein. Darüber hinaus solle das Personal im NRW-Justizvollzug um 330 Stellen aufgestockt werden.
Müller-Piepenkötter zeigte sich von den brutalen Mord an dem Siegburger Häftling "tief getroffen". "Das Ausmaß an Brutalität und Menschenverachtung, das in dieser Tat zum Ausdruck kam, hat nicht nur mich, sondern auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Siegburg fassungslos gemacht." Die Staatsanwaltschaft Bonn arbeite "mit Hochdruck" an der Aufklärung des Falles, sagte die Ministerin. Die Strafverfolgungsbehörde werde morgen einen Zwischenbericht über den Stand der Nachforschungen geben.
Das Opfer war nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft am 11. November von seinen drei Zellengenossen stundenlang gefoltert und schließlich gezwungen worden, sich an der Toilettentür in der Zelle selbst zu erhängen. Die Gefängniswärter hatten von dem stundenlangem Martyrium des Häftlings nach Angaben der Strafverfolger nichts bemerkt. Die Tatverdächtigen sind zwischen 17 und 20 Jahre alt.
dab/AP/dpa/AFP