Haft in Oman Sultan gibt Chemnitzerin frei
Hamburg - In der Nacht zum vorigen Dienstag begleiteten zwei Beamte des sächsischen Landeskriminalamts die 31-jährige Physiotherapeutin auf einem Lufthansa-Flug und brachten sie in ein Gefängnis in Frankfurt am Main. Von dort soll sie nach Chemnitz verlegt werden. Manfred Gerlich, 51, war im Dezember 2003 bei einem Besuch in Maskat erschossen worden. Die Tochter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
Laut einem Urteil des dortigen Kriminalgerichts hatte seine Tochter den Mord wegen einer außerehelichen Beziehung ihres Vaters gemeinsam mit ihrem omanischen Freund Fausi al-Ghammari, 44, in Auftrag gegeben. Als Kanzler Gerhard Schröder im März 2004 Oman besuchte, bat er den Sultan um ein Entgegenkommen. Der Staatschef war bereit, Gerlich ausreisen zu lassen, wenn sie in Deutschland frühestens nach fünf Jahren freigelassen werde.
Das Chemnitzer Landgericht entschied im Juni, dass das Urteil von Maskat auch in Deutschland in vollem Umfang vollstreckt werden muss. Unmut herrschte unter deutschen Diplomaten, weil die Chemnitzer Polizei ihren Kollegen in Maskat nach der Tat Informationen über die zerrütteten Familienverhältnisse der Gerlichs übermittelt hatte und den Omanern damit "frei Haus ein Motiv lieferte". Deutsche Ermittler, so hieß es, seien "angesichts der in manchen Ländern drohenden Todesstrafe oft nicht genügend sensibilisiert".