Hamburg Zwölfjährige wird Mutter
Hamburg - Um 2.17 Uhr sei ein Notruf eingegangen, sagte der Feuerwehrsprecher. Die Zwölfjährige habe über Bauchschmerzen geklagt und sei deshalb mit einem Rettungswagen zunächst in ein Kinderkrankenhaus gebracht worden. Die dortigen Ärzte stellten jedoch fest, dass das Mädchen in der 40. Woche schwanger ist. Weil das Kinderkrankenhaus über keinen Kreißsaal verfügt, wurde die Schwangere in das Marienkrankenhaus gebracht, wo sie am Morgen einen 2830 Gramm schweren Sohn zur Welt brachte.
Inzwischen beschäftigt sich die Hamburger Kripo wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch eines Kindes mit dem Fall. Gegen den 17-jährigen Freund des Mädchens sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, sagte ein Polizeisprecher. Allerdings müsse zwischen einer einfachen, minderschweren Form des sexuellen Missbrauchs wie offenbar in diesem Falle und dem schweren Missbrauch durch Erwachsene unterschieden werden. Im Fall der Zwölfjährigen sei auch der mutmaßliche Täter noch minderjährig gewesen, und es habe offenbar an krimineller Energie gefehlt, da die Tat möglicherweise einvernehmlich geschehen sei.
Sollte es sich bei dem Kindsvater um den angegebenen 17-Jährigen handeln, werde dieser gemeinsam mit seinen Eltern von der Polizei vorgeladen und angehört, sagte der Sprecher. Danach übernehme die Staatsanwaltschaft den Fall und entscheide, ob ein gerichtliches Verfahren eröffnet oder das Verfahren eingestellt werde.
Die Eltern der Zwölfjährigen lehnten Interviews mit ihrer Tochter und Fotos von ihrem Enkel ab. "Sie kümmern sich um ihr Kind und wollen, dass Tochter und Enkel ihre Ruhe haben", sagte eine Sprecherin des Krankenhauses.
Der Statistik der Sozialbehörde zufolge gab es 1999 und 2002 in Hamburg jeweils einen Fall, in dem ein Kind dieses Alters selbst ein Kind bekam. Dabei übernimmt laut Sozialbehörde grundsätzlich das Jugendamt die rechtliche Vormundschaft für das neugeborene Kind, während die Mutter es versorgt.
Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden wurden allein für 2004 in Deutschland 469 Lebendgeburten von Müttern registriert, die 15 Jahre oder jünger waren.
rom/dpa/ddp