Hammermorde von Arboga: "Sie hatte Liebeskummer" - DER SPIEGEL
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Hammermorde von Arboga "Sie hatte Liebeskummer"

Christine S. aus Hannover soll in Schweden zwei Kleinkinder mit einem Hammer erschlagen haben. Sie bestreitet den Doppelmord - jetzt beginnt der Indizienprozess. Ihre Rechtsanwältin Tanja Brettschneider spricht mit SPIEGEL ONLINE über die Beweislage und die Probleme der 31-Jährigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE: Frau Brettschneider, die schwedischen Ermittler haben eine Mammutanklage gegen Christine S. gezimmert: 2700 Seiten stark, 56 Zeugen wurden benannt. Glauben Sie noch immer an die Unschuld Ihrer Mandantin, die aus Eifersucht zwei Kinder erschlagen und deren Mutter schwer verletzt haben soll?

Tanja Brettschneider: Die Frage stellt sich für mich als Verteidigerin nicht. Das ist nicht mein Job. Mir geht es nur darum, ob die Beweise ausreichen.

SPIEGEL ONLINE: Reichen sie aus?

Brettschneider: Ganz und gar nicht. Man hat keine Tatwaffe gefunden, man hat keine DNA am Tatort sichergestellt. Hätte meine Mandantin diese schreckliche Tat begangen, müsste bei ihr auch etwas zu finden sein. Das ist aber nicht der Fall. Diese Beweislage ist ganz einfach zu dünn.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Mandantin war zur Tatzeit in der Nähe des Tatortes.

Brettschneider: Sie wollte sich dort eine historische Stätte ansehen, weil sie als Fremdenführerin arbeiten wollte.

SPIEGEL ONLINE: Christine S. trug bei ihrer Ausreise, als sie einen Tag nach dem Doppelmord von Stockholm aus nach Deutschland fliegen wollte, einen Zimmermannshammer bei sich. Die beiden Kinder Max, 3, und Saga, 1, sollen mit einem solchen Werkzeug getötet worden sein. Das ist schon verdächtig, oder?

Brettschneider: Das sagt überhaupt nichts aus. An dem Werkzeug haben die Kriminaltechniker keinerlei Spuren sicherstellen können.

SPIEGEL ONLINE: Die könnte S. in der Zwischenzeit entfernt haben.

Brettschneider: Das ist in einer so gründlichen Weise, wie es nötig gewesen wäre, technisch gar nicht möglich. Ausgeschlossen.

SPIEGEL ONLINE: Wieso wollte Ihre Mandantin eigentlich mit einem Hammer ins Flugzeug?

Brettschneider: Ich bin nicht autorisiert, diese Frage zu beantworten.

SPIEGEL ONLINE: Haben die Ermittler sich zu sehr auf Christine S. konzentriert?

Brettschneider: Alle haben immer gesagt: "Wer soll es sonst gewesen sein?" Und genau das war das Problem. Es hat sich niemand die Mühe gemacht, im persönlichen Umfeld des Vaters Torgny oder der Mutter Emma zu ermitteln.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Mandantin hatte eine Beziehung zu Torgny H., der sie jedoch für Emma und deren nun ermordete Kinder verlassen haben soll. Auch hieß es, Christine S. sei psychisch krank. Trifft das zu?

Brettschneider: Sie hatte Liebeskummer, das ist wahr, und sich deshalb auch einmal behandeln lassen, aber sie war nicht psychisch krank. Ich habe mit ihren Ärzten gesprochen und keinerlei Anhaltspunkte für eine seelische Störung meiner Mandantin. In Schweden ist sie nun von einem Gerichtsgutachter untersucht worden - und der hat keine Diagnose gestellt.

SPIEGEL ONLINE: Wie wird das am morgigen Mittwoch beginnende Verfahren ausgehen?

Brettschneider: Ich hoffe, das Gericht wird einsehen, dass die Beweise nicht ausreichen.

Das Interview führte Jörg Diehl

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