Prozessauftakt Hebamme soll Krankenkassen um Hunderttausende Euro geprellt haben
Heilbronn - Knapp neun Jahre lang, von 2003 bis 2012, praktizierte eine vermeintliche Hebamme an verschiedenen Orten, zuletzt im Landkreis Heilbronn. Jetzt muss sich die 59-Jährige wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Sie soll bei Krankenkassen Leistungen abgerechnet haben, die sie nicht erbracht hatte.
Wie der SWR berichtet, soll sich die Frau von Wöchnerinnen Blanko-Formulare unterschrieben haben lassen. Sie soll außerdem Unterschriften gefälscht und Geld für die angebliche Betreuung nicht existenter Patientinnen eingetrieben haben. Ihr wird außerdem vorgeworfen, mindestens ein gefälschtes Hebammen-Diplom genutzt zu haben. Erst erfand sie laut Anklage eine Hebamme namens Hildegard, später noch eine Franziska.
Insgesamt werden der Angeklagten 1600 Einzeltaten vorgeworfen, dabei soll sie sich laut Staatsanwaltschaft bei 111 Krankenkassen mehr als 440.000 Euro erschlichen haben. Weitere Taten sollen bereits verjährt sein, der insgesamt entstandene Schaden könnte somit im Millionenbereich liegen.
Schulden und windige Geldgeschäfte
Die Angeklagte sagte zu Prozessauftakt, sie habe bei Spekulationen viel Geld verloren und immer mehr Schulden angehäuft. Sie berichtete von einem Konto in Ägypten und einer vielversprechenden Geldanlage in Dubai, bei der ihr ein Millionengewinn versprochen worden sei. Für "das Kaufmännische" habe sie sich aber stets Hilfe geholt - "da hatte ich immer Schwierigkeiten."
Ein Freund habe ihr dann vorschlagen, über falsche Identitäten ein Betrugssystem aufzubauen. Zunächst habe sie auf diese Weise versucht, Steuern zu sparen, sagte die 59-Jährige. Ab 2009 habe sie dann mit den Kassen auch Leistungen abgerechnet, die nie erbracht worden seien. Der Freund habe sich das Leben genommen, als die Sache Anfang 2014 aufflog.
Berichte unzufriedener junger Mütter hatten offenbar zur Anklage geführt. Die Patientinnen hatten sich beim Verband über die Arbeit der Hebamme beschwert.