Baden-Württemberg Ermittlern gelingt Schlag gegen Autoschieber-Bande
Blick in den Innenraum eines BMW: Navigation, Lenkrad und Airbag gestohlen (Archiv)
Foto: Rolf Vennenbernd/DPAEine Bande mutmaßlicher Autoknacker ist geschnappt worden. Es seien mindestens 279 einzelne Taten aufgeklärt worden, teilten die Staatsanwaltschaften Heilbronn und Mosbach in Baden-Württemberg mit. Die Diebstähle - vor allem von Navigationsgeräten und Lenkräder - sollen einen Schaden von insgesamt mehreren Millionen Euro angerichtet haben. Eine besondere Vorliebe zeigte die Bande demnach für BMW-Modelle.
Seit Dezember 2017 seien 13 Verdächtige festgenommen und viele von ihnen schon verurteilt worden, teilten die Staatsanwaltschaften mit. Andere Verfahren liefen noch. Allein in der Region Heilbronn seien in der zweiten Jahreshälfte 2017 mehr als hundert Aufbrüche registriert worden. "Manchmal wurden in einer Nacht zehn bis zwölf Fahrzeuge der Marke BMW aufgebrochen", hieß es.
Die ersten mutmaßlichen Autoknacker waren ins Visier der Polizei gerückt, als sie unter falschem Namen eine Ferienwohnung in Vöhringen im Kreis Rottweil anmieteten. Nach langen Ermittlungen wurden im Dezember 2017 acht Litauer festgenommen. Komplizen von ihnen brachen im April 2018 unter anderem mehr als 20 Autos auf, die auf einem Zug im Mannheimer Bahnhof standen.
An den Ermittlungen beteiligt waren neben den beiden Staatsanwaltschaften auch die baden-württembergische und die bayerische Polizei, das Bundeskriminalamt (BKA), die europäische Polizeibehörde Europol, die litauischen Sicherheitsbehörden und Beamte aus Belgien.
"Attraktives Betätigungsfeld für Straftäter"
Nach Angaben des BKA ist Litauen ein führender illegaler Absatzmarkt für die gestohlenen Produkte in Osteuropa. Außerdem ist es ebenso wie Polen als Transitland bekannt. "Über diese Staaten verlaufen auch die Hauptverschieberouten entwendeter Kraftfahrzeuge in Richtung Zentralasien", heißt es beim BKA.
In Deutschland geknackte Autos oder gestohlene Teile würden meistens ins Ausland geschmuggelt, die Wagen dort zerlegt. "Insbesondere in afrikanischen und osteuropäischen Staaten besteht nach wie vor eine hohe Nachfrage nach günstigen Kfz-Ersatzteilen", heißt es im Bundeslagebild Kfz-Kriminalität 2017 des BKA. "Diese kann durch die Entnahme von Ersatzteilen aus entwendeten Kfz gedeckt werden." Verkauft würden Teile wie Airbags oder Navis, aber auch größere Komponenten wie Motoren, Getriebe und Karosserieteile "über gängige Internetportale".
Laut BKA lohnt sich vor allem das geringe Risiko. "Beim Diebstahl von Kfz-Teilen handelt es sich um ein Massendelikt, bei dem hohe kriminelle Erträge einer in der Regel geringen Straferwartung gegenüberstehen", teilt das BKA mit. Autobesitzern machen die Ermittler wenig Hoffnung: Das Phänomen werde "ein attraktives Betätigungsfeld für Straftäter bleiben".