Prozess zum Mordfall Hélène Pastor Sohn von getöteter Milliardärin hofft auf Antworten
Gildo Pallanca Pastor
Foto: Claude Paris/ APMehr als vier Jahre ist der Mordanschlag auf die monegassische Milliardärin Hélène Pastor her. Nun hat im südfranzösischen Aix-en-Provence der Prozess gegen ihren Schwiegersohn und neun weitere Angeklagte begonnen.
Pastors Familie hatte in Monaco über Jahrzehnte ein gigantisches Immobilienimperium aufgebaut. Im Mai 2014 waren die 77-jährige Hélène Pastor und ihr Chauffeur in Nizza niedergeschossen worden, beide erlagen später ihren Verletzungen. Nach Überzeugung der Ermittler soll der langjährige Lebensgefährte ihrer Tochter der Auftraggeber der Tat gewesen sein, er selbst bestreitet dies.
Fürst Albert II. hatte Pastors Kindern nach ihrem Tod sein "tiefes Mitgefühl" ausgesprochen. Ihr Sohn Gildo Pallanca-Pastor erhofft sich nun Antworten - auch auf die Frage nach dem Motiv. "Für mich gibt es da nicht nur das Geld", sagte er der Zeitung "Le Parisien". "Was steckt dahinter? Macht? Suche nach Anerkennung?"
Videoaufnahmen und DNA-Spuren auf einem Duschgel in einem Hotelzimmer brachten die Ermittler schnell auf die Spur zweier Tatverdächtiger, die nun wegen Mordes angeklagt sind. Über sie kamen die Ermittler dann auf die mutmaßlichen Hintermänner. Die zwei Täter sollen der Milliardärin nach einem Besuch in einem Krankenhaus aufgelauert haben, wo Gildo Pallanca-Pastor damals wegen eines Schlaganfalls behandelt wurde.
"Es ist alles getan worden, um mich schuldig zu machen"
Der Schwiegersohn - gleichzeitig damaliger polnischer Honorarkonsul - soll seinen Fitnesstrainer beauftragt haben, den Mord zu organisieren. Sie sind beide wegen Beihilfe zu Morden angeklagt.
Der Schwiegersohn war wenige Wochen nach Pastors Tod festgenommen worden und hatte zunächst ein Geständnis abgelegt, das er aber kurz darauf wieder zurücknahm. Er berief sich auf ein Sprachproblem - nämlich, dass er das entscheidende Wort ("in Auftrag geben") nicht verstanden habe.
Er selbst versicherte in einem Interview der Regionalzeitung "Nice-Matin" Anfang des Jahres: "Ich bin unschuldig." Die ganze Untersuchung sei gegen ihn gerichtet gewesen. "Es ist alles getan worden, um mich schuldig zu machen." Im Hinblick auf sein anfängliches Geständnis führte er damals noch aus, er habe gelogen, um seiner Frau eine angeblich angedrohte Untersuchungshaft zu ersparen.
Diese Strategie sei lächerlich, sagte Thomas Giaccardi, Anwalt von Gildo Pallanca-Pastor. Der frühere Honorarkonsul verstehe perfekt Französisch: "Das wird aus allen Befragungen klar, er hat nie einen Übersetzer gebraucht. Er lebt seit 30 Jahren in Monaco."
Vor Gericht sagte der Schwiegersohn nun, dass er auf alle Fragen antworten werde - so berichteten es Journalisten, die trotz des großen Andrangs in den Saal vorgelassen worden waren. Der Prozess ist bis zum 19. Oktober angesetzt.