Früherer Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth kommt aus U-Haft frei
Hells Angel Hanebuth: Gegen 60.000 Euro Kaution auf freien Fuß
Foto: Montserrat T Diez/ dpaDer ehemalige Rockerboss Frank Hanebuth wird gegen eine Kaution aus spanischer Untersuchungshaft entlassen. Er müsse 60.000 Euro hinterlegen, sich regelmäßig bei einer spanischen Behörde melden und in Spanien bleiben, teilte die Kanzlei seines Anwalts Götz von Fromberg mit. Das habe das Oberste Spanische Gericht auf die Beschwerde der Verteidigung hin entschieden.
Ein Pressesprecher des Nationalen Gerichtshofs in Madrid bestätigte, dass dem Einspruch stattgegeben worden sei. Noch habe Hanebuth nicht gezahlt. Sobald das geschehen sei, komme er frei.
Anwalt von Fromberg sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir sind sehr erleichtert. Nach langem Kampf ist es uns endlich gelungen, dass der Haftbefehl gegen Frank Hanebuth außer Vollzug gesetzt worden ist." Sein Mandant werde sich einem Prozess aber in jedem Fall stellen und seine Unschuld auch vor Gericht beweisen. "Er ist psychisch glücklicherweise sehr stabil", so von Fromberg. Die lange Verfahrensdauer hält der erfahrene Strafverteidiger aus Hannover für skandalös: "In Deutschland wäre es schlicht undenkbar, dass die Ermittlungen derart verschleppt werden."
Festnahme auf Mallorca
Den langjährige Anführer der inzwischen aufgelösten Hells Angels in Hannover stuften Ermittler als europaweit einflussreichsten Rocker-Boss ein. Vor zwei Jahren war er zusammen mit anderen Höllenengeln auf Mallorca festgenommen worden.
Dem 50-Jährigen werden die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Menschenhandel, Erpressung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Geldwäsche zur Last gelegt. Hanebuth hatte die Vorwürfe stets bestritten.
Vor einem Monat hatte ein Ermittlungsrichter in Madrid entschieden, dass Hanebuth bis zu zwei weitere Jahre in Haft bleiben sollte. Gegen diesen Beschluss legten die Verteidiger Beschwerde ein. "Eine Anklage haben wir immer noch nicht", so Anwalt von Fromberg. Sein Mandant müsse zwar in Spanien bleiben, könne sich aber nun außerhalb des Gefängnisses in Ruhe auf das Hauptverfahren vorbereiten.
Der Rockerfürst hatte sich ebenso wie einige andere ehemalige Mitglieder des Hannoveraner Charters der Hells Angels im Sommer 2012 Richtung Mallorca aufgemacht. Zuvor löste Hanebuth noch den Ableger der Motorradgang in seiner Heimatstadt auf, nachdem im Mai 2012 die GSG 9 seine Villa gestürmt und einen seiner Hunde erschossen hatte.
Der massive Polizeieinsatz ging auf die Aussagen eines fragwürdigen Informanten zurück, die Vorwürfe bestätigten sich nie. Als Wiedergutmachung für die Schäden auf seinem Anwesen wurden Hanebuth 40.000 Euro zugesprochen.