Heros-Pleite "Dä Manni war ne leve Jong"
Hamburg - Manfred Diel soll laut Staatsanwaltschaft gemeinsam mit seinem Kompagnon Karl-Heinz Weis über dreihundert Millionen Euro aus der Firmenkasse des Geldtransportunternehmens Heros veruntreut haben. Was er mit dem Geld angestellt haben soll, zeigt eine Reportage von SPIEGEL TV.
Bilder eines Privatvideos: Kurz vor Mitternacht erreicht die Party ihren Höhepunkt. "Rollin on the River" röhrt die rotblonde Sängerin im Festsaal des Hotels "Tanne". Der kleine Dicke mit dem schütteren Haar tanzt in dieser Nacht mit seiner "Proud Mary", einer Dunkelhaarigen mit riesiger Zahnlücke, beseelt auf Mitternacht zu. Manfred Diel ist wer im bulgarischen Bansko. Der gute Mensch aus Deutschland hat sich einen Namen gemacht als edler Sponsor und lieber Freund. Vor allem der Bürgermeister hält große Stücke auf Diel. "Wir haben ihn 2004 zum Ehrenbürger ernannt. Er hat soviel Gutes für uns getan. Das werden wir ihm nie vergessen."
Kein Wunder, unterstützte der angeblich so vermögende Geschäftsmann doch den lokalen Kindergarten, baute eine Straße, gab Geld für das örtliche Wasser- und Kanalisationsnetz. Auch der lokale Polizeichef wurde bedacht: er kurvt jetzt in einen schicken 7-er BMW durch die bulgarische Hochebene.
Berühmt auch die alljährlichen Rockkonzerte in der bulgarischen Provinz. Organisiert von der "Diel Trade and Media Corporation", einer Agentur mit Sitz in Luxemburg, begeisterten die Siebziger-Jahre-Stars wie Smokie, Rubbets, Boney M. und die Gibson Brothers.
Alles wohl bezahlt mit den Millionen von Heros. Als Diel verhaftet wurde, stellten die Ermittler ein Defizit von fast 100 Millionen in den Büchern der Heros-Tochter Nordcash fest. Geld, dass er wohl auch in Frechen unter die Leute brachte. Diels Anwalt will sich zu diesen Vorwürfen nicht äußern.
Georg Fasshold, über zwei Zentner rheinische Frohnatur, lässt nichts kommen auf den "Manni". "Der war der Robin Hood von Frechen", grinst er. "Manni war immer ganz bescheiden, hat einen vier Jahre alten Golf gefahren und wollte nie, dass seine großzügigen Taten bekannt wurden" bestätigt sein Freund Hannes Kassel.
Man hält eben zusammen. Hier hat es nie einen interessiert, woher das ganze Geld kam um die schönen Feste zu bezahlen, auf denen Andy Borg und Jürgen Marcus auftraten. "Da kam keiner mit Jeans rein, das war mal Glamour in Frechen. Hat alles der Manni bezahlt."
Nicht nur die alte deutsche Schlagerwelle unterstützte Diel. Einmal soll er einer Frau für eine Operation in Peking 5000 Euro dazu gegeben haben. "Der muss man doch helfen", soll er gesagt haben. So war er, der Manni. Eben ne leve Jong, ein lieber Junge.
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