meinung •Kampf gegen Kriminalität Geiz ist gefährlich
Hilfspolizist
Foto: Uwe Anspach/ dpaJahrelang sind in Deutschland Stellen bei der Polizei abgebaut worden. Noch immer verfügt die Staatsmacht Fachleuten zufolge über 10.000 Beamte weniger als im Jahr 2000. Die Aufgaben der Ordnungshüter sind hingegen gewachsen: Die Terrorgefahr ist so hoch wie nie. Die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlingsheime explodiert. Mit der Zuwanderung steigt auch die Anzahl von Straftaten, wie die Polizei prognostiziert. Die Cyberkriminalität erreicht ungeahnte Dimensionen.
Vor allem aber weil Banden von Einbrechern und professionelle Diebe durch das Land ziehen, hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) nun einen neuen Vorstoß unternommen: Er will Hilfssheriffs als Garanten der inneren Sicherheit etablieren. Im Interview mit der "Rheinischen Post" sprach sich der CDU-Politiker dafür aus, bewaffnete Wachpolizisten in Gegenden patrouillieren zu lassen, die besonders von Einbrechern heimgesucht werden. Das sei ein "zukunftsweisendes Modell", sagte er.
Nun sollen ausgerechnet im Schnellverfahren ausgebildete Amateurschupos dabei helfen, Rechtsstaatlichkeit dort zu sichern, wo Profis fehlen? Die Idee ist ein Offenbarungseid der inneren Sicherheit. Es ist Flickschusterei, wo eine Strategie nicht (mehr) erkennbar ist. Statt die Kriminalpolizei aufzustocken, die Justiz zu ertüchtigen, womöglich schärfere Gesetze zu verabschieden, soll nun McPolizei die Lösung sein.
Um die Versäumnisse der vergangenen Jahre, das wenig vorausschauende Wirtschaften der Innenministerien aufzufangen, wird die reguläre Polizei in Bund und vielen Ländern derzeit aufgestockt. Die Folge ist, dass vielerorts die Einstellungskriterien bereits aufgeweicht werden mussten, um überhaupt noch genügend Bewerber zu finden. Teilweise gibt es kaum noch eine Auslese: Wer sich bewirbt, wird Polizist. Das alleine ist schon schwierig genug.
Hilfspolizisten aber sind ein hochgefährliches Placebo. Sie tragen Uniform, repräsentieren den Rechtsstaat und suggerieren Sicherheit - etwa indem sie sich vor Botschaften die Füße platt stehen und bestenfalls entschlossen dreinschauen. Doch sind sie vorbereitet etwa auf eine Terrorattacke? Wissen sie, wie sie sich und andere in einem solchen Ernstfall schützen können? Oder rufen sie dann doch auch nur die richtige Polizei, wie es alle anderen Normalbürger täten?
Als im Herbst 2014 offenbar wurde, dass überforderte Schulabbrecher als unterbezahlte Wachmänner Flüchtlinge in nordrhein-westfälischen Asylunterkünften misshandelt hatten, war das Entsetzen der Politiker groß. Das habe sie sich nicht vorstellen können, sprach etwa Hannelore Kraft (SPD) und fügte hinzu: "Ich schäme mich dafür."
Der Staat sollte diesen Fehler nicht wiederholen und demnächst geringqualifizierte Waffenträger in Wohngebiete entsenden. Echte Sicherheit lässt sich auf Dauer nur mit echten Polizisten schaffen.