Hochsitz-Attacken: Tierschützer rächen Bruno - DER SPIEGEL
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Hochsitz-Attacken Tierschützer rächen Bruno

Das tragische Schicksal von Braunbär Bruno hat Tierschützer in Rage gebracht. Manche wollen seinen Tod rächen, indem sie Hochsitze von Jägern zerstören.
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Hannover - Vor gut einer Woche wurde "Problembär" Bruno im Morgengrauen von der Kugel eines Jägers getötet - seitdem kocht der Zorn von Tierschützern. In Norddeutschland vereinten sich "Die rächenden Brunos", um den "Mord" an dem zweijährigen Tier zu sühnen und diejenigen böse zu treffen, die ihrer Ansicht nach für Brunos Tod bestraft gehören: die Jäger. Bewaffnet mit mehreren Sägen zogen die militanten Tierschützer deshalb los und zerstörten im Umland von Hannover eine Reihe von Jagd-Hochsitzen. Anschließend bekannten sie sich zu der Tat im Internet.

Ein Bekennerbrief, den der Hamburger Verein "die tierbefreier" veröffentlichte, spricht von einem Dutzend Anschlägen auf Hochsitze. In dem Schreiben erklärte sich die Gruppe namens "Die rächenden Brunos" mit dem getöteten Bären solidarisch und verlangte: Nirgendwo sollten "nichtmenschliche Tiere von Jägern getötet werden". Bei aller Radikalität wollten die militanten Tierschützern den Jägern allerdings nicht wirklich an den Kragen. Nach Angaben des Vereins "die tierbefreier" würden bei Anti-Jagd-Aktionen Hochsitze stets um- und nie nur angesägt, hieß es.

Nach dem Tod von Bruno vor rund einer Woche hagelt es Proteste - bis hin zu radikalen Drohungen. In Berlin demonstrierten Bruno-Fans unter dem Motto "Wir alle sind Bruno" für die Abschaffung der Jagd. Auf Transparenten hieß es "Alle Jäger sind Bruno-Töter". Im bayerischen Umweltministerium, das den Bären zum Abschuss freigegeben hatte, gehen Morddrohungen ein. Mitarbeiter vertrauten dem "Münchner Merkur" anonym an, sie erhielten Anrufe und E-Mails mit dem Tenor "Ich schlitz' dich auf" oder andere massive Drohungen. "Das verfolgt mich bis in den Schlaf", sagte eine Mitarbeiterin der Zeitung.

Angesichts der Rache- und Wut-Aktionen verteidigten Bayern und Österreich einmal mehr die Tötung des Bären. Man müsse die "Maßstäbe wieder zurechtzurücken", forderte der bayerische Umweltminister Werner Schnappauf. Mit Morddrohungen gegen Jäger, Beamte und Politiker sei die Grenze noch zulässiger Kritik überschritten, sagte er der "Nürnberger Zeitung". Wenn alle beteiligten Wissenschaftler diesen Bären als konkretes Unfallrisiko darstellten, müsse er zum Schutz von Menschenleben erschossen werden. Ähnlich äußerte sich der oberste Jagdaufseher der Tiroler Landesregierung, Franz Krösbacher. Er bezeichnete den Abschuss als Notwehr. Es sei "pures Glück" gewesen, "dass kein Mensch zu Schaden gekommen ist", sagte er. Der Bär habe sich abnormal und gefährlich verhalten.

fok/AP/dpa