Holzklotz-Fall Generalstaatsanwaltschaft attackiert Polizei
Oldenburg - Nach der tödlichen Holzklotzattacke bei Oldenburg hat die Generalstaatsanwaltschaft die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei scharf kritisiert und als "völlig überzogen" bezeichnet.
Die Pressearbeit sei zum Teil schädlich für einen Ermittlungserfolg, teilte die Behörde mit. "Es ist höchste Zeit, dass die Polizei von weiteren Eigenmächtigkeiten Abstand nimmt und zur eigentlich selbstverständlichen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der für das Verfahren verantwortlichen Staatsanwaltschaft Oldenburg zurückkehrt", heißt es in einer Mitteilung.
Bei der Attacke war ein sechs Kilo schwerer Holzklotz am Ostersonntag von einer Brücke auf ein darunter fahrendes Auto geworfen worden und hatte eine 33 Jahre alte zweifache Mutter vor den Augen ihrer Familie getötet.
Bislang gingen hunderte Hinweise bei den Fahndern ein. Nach der schockierenden Tat hatte die Polizei auch einen Massengentest in letzter Konsequenz nicht ausgeschlossen, sollten die rechtlichen Voraussetzungen stimmen und DNA- Spuren sichergestellt werden.
Die Generalstaatsanwaltschaft hingegen findet es "unverantwortlich", wenn die Polizei ohne jede Absprache in der Öffentlichkeit einen Massengentest ins Spiel bringe. Der Polizei stehe hierbei überhaupt keine Entscheidungsbefugnis zu. Es handele sich um eine strafprozessuale Maßnahme, die interner Überlegungen und einer eingehenden Prüfung bedarf. "In die Öffentlichkeit gehört dies jedenfalls am Anfang von Ermittlungen nicht und schadet der Arbeit der Staatsanwaltschaft."
Ähnliches gelte für Ankündigungen von möglicherweise höheren Belohnungen von Täterhinweisen. Auch dies sei ohne Absprache mit der Staatsanwaltschaft geschehen, doch nur diese könne entscheiden, welche Belohnung ausgesetzt werde.
Die Oldenburger Polizei reagierte dagegen "bestürzt" auf die scharfe Kritik der Generalstaatsanwaltschaft.
"Alle Schritte dieser offensiven und aggressiven Pressearbeit sind im Einvernehmen erfolgt und fast wörtlich mit dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg abgesprochen worden", betonte Polizeipressesprecher Sascha Weiß.
dek/dpa