BBC-Film Interview mit Vergewaltiger soll in Indien verboten werden
Neu Delhi - Die Ausstrahlung einer BBC-Dokumentation über die Vergewaltigung einer Studentin in einem Bus in Neu Delhi soll in Indien verboten werden. Die Polizei gehe dagegen vor, sagte Delhis Polizeichef B. S. Bassi der Onlineausgabe der Zeitung "Times of India" zufolge. Vor Gericht sei ein Antrag eingereicht worden. Zur Begründung hieß es, einem verurteilten Verbrecher Sendezeit zu geben, verstoße gegen das Gesetz.
In dem Film "India's Daughter" (Indiens Tochter) sagt einer der zum Tode verurteilten Vergewaltiger, die Verantwortung für das Verbrechen trage das Opfer. Seiner Ansicht nach seien Frauen, die abends ausgehen, selbst schuld, wenn sie die Aufmerksamkeit von Vergewaltigern auf sich ziehen würden. Das Interview wurde in einem Gefängnis in Neu Delhi geführt. Zum Frauentag am Sonntag soll der Film in zahlreichen Ländern ausgestrahlt werden.
Der Fall vom 16. Dezember 2012 hatte weltweit für Empörung gesorgt. Sechs Männer vergewaltigten und misshandelten eine 23-jährige Frau vor den Augen ihres männlichen Begleiters in einem Bus so schwer, dass sie knapp zwei Wochen später ihren Verletzungen erlag. Ihr Freund überlebte. Zehntausende gingen daraufhin in Indien auf die Straße und forderten ein Ende der alltäglichen Gewalt gegen Frauen.
Die Eltern der Studentin unterstützen die Dokumentation. Die Mutter sagte in einem NDTV-Interview, der Vergewaltiger fordere mit seinen Aussagen die Gesellschaft heraus. Er nenne den Vorgang, bei dem er die Eingeweide ihrer Tochter herausgerissen habe, einen "Unfall". "Wenn er wegen eines solchen barbarischen Falls nicht gehängt wird, wird das die Gesellschaft zerstören."