Indonesien Opferzahl nach Tsunami steigt
Jakarta - Laut der Nachrichtenagentur Reuters ist die offizielle Totenzahl nach dem Tsunami an der Südküste Indonesiens auf 231 gestiegen. Allein in dem am schwersten getroffenen Gebiet auf der Insel Java seien 171 Menschen ums Leben gekommen, so ein örtlicher Behördenvertreter. Das Rote Kreuz teilte mit, in den anderen Regionen seien insgesamt 60 Menschen getötet worden.
Die Nachrichtenagentur AP meldet mindestens 306 Todesopfer. Mehr als 160 Menschen würden noch vermisst. Knapp 30.000 Menschen wurden obdachlos, so ein Mitarbeiter des indonesischen Roten Kreuzes.
Nach einem Seebeben der Stärke 7,7 auf der Richterskala hatten sich gestern meterhohe Flutwellen an der Küste von Java gebildet. Das Wasser schleuderte Boote an Land und zerstörte Hotels und Wohnhäuser. Am stärksten betroffen war der Badeort Panganderan. Die meisten Opfer waren nach Angaben eines Anwohners Kinder und Jugendliche, die zur Zeit der Katastrophe am Strand spielten und surften.
Das schwedische Außenministerium teilte mit, dass ein Schwede ums Leben gekommen sei. Er habe seit vielen Jahren in der Region gelebt. Ein schwedischer Tourist wurde im Krankenhaus behandelt, seine beiden Söhne im Alter von fünf und zehn Jahren wurden noch vermisst. Laut dem niederländischen Konsulat kamen bei dem Tsunami außerdem drei Holländer ums Leben. Auch eine 26-jährige Französin, die mit ihrem Freund in der Gegend Urlaub machte, wurde nach Diplomatenangaben von der Welle mitgerissen und getötet. Unter den Verletzten befanden sich einem Fernsehbericht zufolge zudem zwei Niederländer und vier Japaner.
Die japanischen meteorologischen Behörden hatten zuvor vor möglicherweise verheerenden Riesenwellen an den indonesischen Inseln Java und Sumatra gewarnt. Auch die rund 400 Kilometer südlich gelegene Weihnachtsinsel und die Kokosinseln, die zu Australien gehören, könnten betroffen sein, hieß es. Doch die Warnung erreichte die Menschen auf Java nicht rechtzeitig, weil es dort kein Frühwarnsystem gibt - trotz der Erfahrungen mit der Tsunami-Katastrophe an Weihnachten 2004.
Die Flutwellen lösten Panik in der Region aus. Nachdem Präsident Susilo Bambang Yudhoyono die Anwohner wegen drohender Nachbeben aufgefordert hatte, die gefährdeten Küstenregionen zu verlassen, flohen Tausende aus dem Gebiet. "Ich habe wirklich Angst um mein Leben und das meiner Verlobten", sagte der Schweizer Heff Martin, der wie seine indonesische Verlobte Julia die Flutwelle unbeschadet überlebte.
Unterdessen laufen die Rettungsarbeiten auf Hochtouren. Helfer suchten in der von der Flutwelle zerstörten Region nach Überlebenden. Unter den Trümmern würden immer noch Tote gefunden, sagte der Sprecher des Roten Kreuzes.
Die Flutwelle weckte Erinnerungen an die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004. Bis zu 232.000 Menschen starben damals, darunter Hunderte deutsche Touristen. Das Seebeben, das die Katastrophe damals auslöste, hatte eine Stärke von 9,3 auf der Richterskala.
aki/dpa/AP/reuters