Insolvenz Kindermörder Gäfgen ist pleite
Schwalmstadt - Gäfgens Anwalt Michael Heuchemer bestätigte einen Bericht der "Wetzlarer Neuen Zeitung", wonach der 31-Jährige beim Amtsgericht Marburg Privatinsolvenz angemeldet hat. Dabei handele es sich allerdings um einen rein formalen Akt, der bei langjährigen Haftstrafen üblich sei, sagte Heuchemer. Das Gericht hat das Verfahren nach Angaben einer Sprecherin bereits eröffnet.
Der Frankfurter Gerichtsvollzieher Walter Horz bestätigte Heuchemers Einschätzung. Für einen Gefangenen mit einer langen Haftstrafe biete das Insolvenzrecht beste Voraussetzungen, um schuldenfrei zu werden - nach etwa sieben Jahren. "Die Zeit läuft für ihn", sagte Horz zum Fall Gäfgen. In der Freiheit scheiterten viele Privatleute im Insolvenzverfahren an der Auflage, keine neuen Schulden zu machen.
Gäfgen sitzt in der nordhessischen Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt eine lebenslange Haftstrafe wegen der Entführung und Ermordung des Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler im Jahr 2002 ab. Er kann nicht schon nach 15 Jahren entlassen werden, weil das Landgericht Frankfurt eine besondere Schwere der Schuld festgestellt hat. Zuletzt hatte Gäfgen für Aufsehen gesorgt, weil er eine Stiftung für misshandelte Kinder einrichten wollte.
Nach Angaben des Amtsgerichtes Marburg ist ein großer Teil der Schulden auf Gerichtskosten zurückzuführen. Zunächst soll nun die genaue Schuldenhöhe ermittelt werden. "Wir haben alle Gläubiger aufgerufen, sich zu melden", zitiert die "Wetzlarer Neue Zeitung" den Anwalt Carsten Koch, Gäfgens Treuhänder. Zum Zeitpunkt der Entführung des elfjährigen Jungen hatte Gäfgen nach Polizeiermittlungen nur rund 2500 Euro Schulden, obwohl er Geldnot als einziges Motiv genannt hatte.
sön/dpa/ddp