Kiezlegende Thomas Born "Karate-Tommy" ist tot
Thomas Born alias "Karate-Tommy": Lieber die Straßenseite wechseln
Foto: imagoEr war der Chef der "Abteilung Stress". Als die sogenannte "Nutella-Gang" Anfang der Achtzigerjahre die Geschäfte auf Hamburg-St. Pauli übernahm, war Thomas Born dafür zuständig, das Abstecken des Reviers kampftechnisch zu flankieren. Unter dem Namen "Karate-Tommy" überbrachte er in den Restaurants, Clubs und Bordellen der Konkurrenz die Ansprüche der kriminellen Vereinigung - und setzte sie notfalls blutig direkt vor Ort durch.
Born erwarb mit 19 Jahren den Schwarzen Gürtel und war kurz darauf in der Karate-Nationalmannschaft aktiv. 1974 eröffnete er in Hamburg-Uhlenhorst sein eigenes Sportstudio, wo er auch viele Kiezgrößen trainierte. Die warben ihn dann als Mann fürs Grobe ab.
Born war in einer Zeit im Rotlichtviertel rund um die Reeperbahn aktiv, als sich das organisierte Verbrechen dort im großen Stil formierte und Prostitution zu einem Massengeschäft wurde. Die Gewinne wurden größer, die Verteilerkämpfe härter. Born wurde auch deshalb zur Milieugröße, weil er immer wieder lebend aus aussichtslosen Situationen herauskam. 1982 überlebte er ein ausuferndes Feuergefecht im "Eros-Center"; seine Begleitung, "SS-Klaus" Breitenreicher und "Angie" Becker starben. Wegen Zuhälterei und Körperverletzung wanderte Born Ende der Achtzigerjahre ins Gefängnis.
Der Kampfkoloss selbst mehrte seinen dubiosen Ruhm durch imposante Erzählungen und durch Fernsehauftritte in NDR-Produktionen wie "Großstadtrevier" oder "Hafenpastor", gab aber in den letzten Jahren auch immer wieder trocken und ungerührt Auskunft über die damals entstandenen kriminellen Strukturen auf der Reeperbahn. In den letzten Jahren gab er den Veteran des "guten, alten Kiezes" - um den man bei Reeperbahnbesuchen sicherheitshalber doch lieber einen großen Bogen machte.
Wie neben unterschiedlichen Hamburger Zeitungen der "St. Pauli Blog" berichtet , starb Thomas Born, von Freund und Feind "Karate-Tommy" genannt, am Freitagabend an den Folgen eines Herzinfarkts im Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf. Er wurde 63 Jahre alt.