Kindestötung Polizei entdeckt neun Babyleichen
Frankfurt an der Oder - Die Verdächtige wurde in Untersuchungshaft genommen, nachdem die toten Kinder gestern entdeckt worden waren. Den ganzen Tag über suchten Polizisten nach weiteren Leichen. Bei dem Verbrechen dürfte es sich um den schwersten Fall von Säuglingstötungen in der Geschichte der Bundesrepublik handeln.
Die toten Babys waren in einem Hof hinter einem Einfamilienhaus gefunden worden, in dem Mutter und Schwester der Verdächtigten wohnen, nachdem gegen Mittag bei der Polizei entsprechende Hinweise eingegangen waren, wie Staatsanwalt Michael Neff sagte. Ein Zeuge soll bei Aufräumarbeiten Knochen entdeckt haben. Die Mutter steht laut Neff unter dringendem Verdacht, ihre Kinder zwischen 1988 und 2004 kurz nach der Geburt getötet zu haben. Sie habe die Babys unter anderem in Blumenkästen und einem alten Aquarium vergraben. Gegen die Frau wurde daher Haftbefehl wegen Totschlags in mindestens neun Fällen erlassen.
"Wir können nicht ausschließen, dass es weitere getötete Babys oder Leichenteile gibt", sagte Polizeisprecher Peter Salender. Daher suchten am Montag 40 Bereitschaftspolizisten mit Hunden das laut Salender sehr große und unübersichtliche Grundstück hinter dem Haus in der Bahnhofstraße von Brieskow-Finkenheerd ab, einem kleinen Ort südlich von Frankfurt.
Aus Polizeikreisen war zu vernehmen, dass es sich bei der Verdächtigten um eine geschiedene und arbeitslose Frau handelt. Die Frau habe noch vier Kinder im Alter von 20, 19, 18 und eineinhalb Jahren.
Wie Staatsanwalt Scherding im TV-Sender N24 sagte, wurde die Frau vernommen und äußerte sich dabei zu den Vorwürfen. Von einem Geständnis wollte der Staatsanwalt jedoch zunächst noch nicht reden. Er gehe davon aus, dass die Polizei noch vor Ort sei und Spuren sichere, sagte Scherding. Es werde sich zeigen, ob weitere Leichen gefunden werden. Die sterblichen Überreste der Babys sollen dem Staatsanwalt zufolge nun obduziert werden. Das Ergebnis werde jedoch erst "in einigen Tagen" erwartet.
Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm erklärte in Potsdam: "Wir stehen vor einem Verbrechen, das es in diesem Ausmaß in der Geschichte der Bundesrepublik nach meiner Erinnerung noch nie gegeben hat. Wir müssen uns fragen, wie dieses unglaubliche Verbrechen über die ganzen Jahre hinweg im Verborgenen blieb." Die Frage richte sich an Verwandte, Nachbarn, Mediziner und Behörden gleichermaßen. Es müssten nicht nur das Tatgeschehen und die Motive für die Taten aufgeklärt werden. "Dies alles ist möglich gewesen, weil zu viele weggeschaut haben, statt zu helfen - der Frau und den Kindern."
Im Juni vier Säuglingsleichen in Österreich
Erst vergangene Woche waren in Magdeburg und bei Gütersloh zwei tote Babys gefunden worden. Im Juni entdeckten Spaziergänger am Ufer eines Sees in der Nähe des niedersächsischen Gifhorn einen Säugling mit durchgeschnittener Kehle in einer Plastiktüte. Nur einen Tag zuvor hatte ein Anwohner in einer Mülltonne im hessischen Mühlheim ein totes Baby gefunden. Anfang Mai brachte eine 20 Jahre alte Frau in Balingen unbemerkt zu Hause ein Kind zur Welt und erstach es mit einer Haushaltsschere.
Im Dezember 2000 war in Erfurt ein neugeborener Junge tot gefunden worden. Anhand eines Gentests überführt die Polizei eine Mutter von fünf Kindern. Die Frau gibt zu, das Kind sowie einen weiteren Sohn und eine Tochter nach der Geburt ertränkt, erstickt beziehungsweise erwürgt zu haben.
In Österreich waren im Juni auf einem Grundstück in Graz vier Säuglingsleichen entdeckt worden. Auch in diesem Fall gilt die Mutter als Täterin. Die 32 Jahre alte Frau erklärte, sie habe die Babys immer überraschend in der Badewanne bekommen und Angst gehabt, wegen eines Kindes ihren Freund zu verlieren. Der Lebensgefährte, der ebenfalls unter Mordverdacht in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet, von den Schwangerschaften gewusst zu haben.