Nach Hundeattacke Besitzerin von totgebissenem TV-Huhn Sieglinde erhält 615 Euro
Das Huhn Sieglinde im Jahr 2017: Wie viel ist ein Hühnerleben wert?
Foto: Aurelias Filmtiere/ DPADer Tod des TV-Huhns Sieglinde war brutal, nun bekommt die Besitzerin mehr Schadenersatz: Der Halter eines Hundes, der das Huhn 2017 totgebissen hatte, müsse 615 Euro bezahlen, entschied das Landgericht Kleve. Die Vorinstanz hatte der Frau nur halb so viel Geld zugebilligt.
Sieglinde hatte unter anderem für den ARD-Film "Wir sind doch Schwestern" vor der Kamera gestanden, wie die Besitzerin vor Gericht vortrug. Die Frau hatte ursprünglich 4000 Euro verlangt - während die Gegenseite im Prozess Zweifel anmeldete, ob das getötete Tier wirklich Sieglinde und nicht irgendeine andere Legehenne war.
Nun wurde amtlich festgestellt: Das vom Hund eines Spaziergängers totgebissene Huhn war der tierische TV-Star. "Es war Filmhuhn Sieglinde und nicht Legehuhn Charlotte", sagte der Vorsitzende. 4000 Euro fand er trotzdem nicht angemessen. Die Schadensersatzsumme errechnet sich aus 15 Euro Kaufpreis für ein Standard-Tier und zehn Trainerstunden à 60 Euro, mit denen Sieglinde auf TV-Auftritte vorbereitet worden war.
Das Amtsgericht hatte der Besitzerin nur die Hälfte des festgestellten Wertes von Sieglinde zubilligen wollen (307,50 Euro), weil das Huhn frei auf dem Hof herumlief. Dem folgte das Landgericht nicht. Es könne nicht in der Verantwortung der Frau liegen, das Huhn gegen nicht angeleint herumlaufende Hunde zu schützen.
Sie habe auf ihrem Hof einen Stall ausgemistet, Sieglinde habe friedlich auf dem Hof gepickt, sagte die Besitzerin vor einigen Wochen. Da sei der Hund angerannt gekommen, habe das Huhn regelrecht zerfetzt und sei dann mit Sieglinde im Maul noch eine Weile herumgelaufen. Der Besitzer habe ihrem Mann einen Zehner angeboten. "Es ist doch nur ein Huhn" - soll er gesagt haben.
Hühnerhalterin Ute Milosevic
Foto: Roland Weihrauch/ DPAOb Sieglinde künftig zu ersetzen sein wird, spielte vor Gericht beim Streit um die Höhe des Schadenersatzes durchaus eine Rolle. Für Hühner im TV sei Ruhe alles, hatte eine Tiertrainerin berichtet. Flatternde Hühner trauten sich Schauspieler sonst oft gar nicht anzufassen. Und Sieglinde sei die Ruhe selbst gewesen - ungewöhnlich gelassen, selbst als in einer Filmszene ein Auto direkt auf sie zufuhr. Für so begabte Tiere würden gern hohe dreistellige Gagen pro Drehtag bezahlt.
Dass es schwierig ist, für so ein Tier einen Ersatz zu finden, hatte auch das Gericht bei der Verhandlung eingeräumt. "Ja, es gibt keine Tierhandlung für Filmstars", hatte der Vorsitzende Richter gesagt. Und niemand könne vorhersagen, ob eine teure Hühner-Ausbildung auch zum Erfolg führe.