Prozessauftakt Mutter soll Baby auf Flughafentoilette getötet haben
Die Angeklagte mit ihren Anwälten
Foto: Henning Kaiser/ dpaVor dem Kölner Landgericht hat der Prozess gegen eine 28-jährige Studentin begonnen, die ihr neugeborenes Baby getötet haben soll. Die Staatsanwaltschaft hat die Frau deshalb wegen Totschlags angeklagt.
Auf einer Toilette des Flughafens Köln/Bonn habe sie im vergangenen November nachts ein Kind geboren, sagte der Staatsanwalt . "Einen Jungen mit einer Größe von 49 Zentimetern und einem Gewicht von 3045 Gramm." Dann habe die Mutter den Säugling bis über den Kopf in ein Kleid und ein Handtuch eingewickelt, so dass er erstickte. "Den Tod des Kindes nahm sie zumindest billigend in Kauf."
Die Angeklagte stellte das Geschehen im entscheidenden Punkt anders dar. "Es ging ganz schnell, dann war auf einmal schon der Kopf da", sagte sie. Sie habe versucht, das Kind aufzufangen, sei aber selber zusammengesackt. "Als ich wieder zu mir kam, habe ich an seinem Rücken und Bauch gefühlt, seine Hände gedrückt - aber da war nichts, keine Reaktion." Weil es so kalt gewesen sei, habe sie den Kleinen in ein Kleid gewickelt.
Zwei Schwangerschaftsabbrüche
Ausführlich schilderte die Studentin aus Siegen die Beziehung zu ihrem Freund, mit dem sie 2011 zusammenkam - und von den zwei Abtreibungen, die sie seitdem hinter sich hat.
In beiden Fällen habe sie sich nicht bereit für ein Kind gefühlt, sagte sie. Nach Gesprächen mit ihrem Freund und bei Beratungsstellen habe sie die Schwangerschaften abbrechen lassen. Während sie die erste Abtreibung 2012 noch gut verkraftet habe, sei es beim zweiten Mal für sie "im Nachhinein viel schwerer zu ertragen" gewesen.
Kind sollte zur Adoption freigegeben werden
Trotz Verhütung sei sie Anfang 2016 erneut schwanger geworden. "Ich habe meinem Freund gesagt, dass ich das Kind behalten will, dass ich noch einen Abbruch nicht durchstehe." Doch der Freund habe völlig hilflos reagiert und das Kind nicht haben wollen. "Seit dem Tag habe ich mich total eingeigelt, viel im Bett gelegen und geweint."
Später habe sie ihrem Partner gesagt, sie sei bei einer Ärztin gewesen, sodass er wohl von einer Abtreibung ausgegangen sei. Er habe dann auch nicht mehr nachgefragt.
Ihr Körper habe sich durch die Schwangerschaft kaum verändert, berichtete die 28-Jährige. Sie habe sich überlegt, das Kind nach der Geburt zur Adoption freizugeben.
Freund transportiert toten Säugling im Rucksack
Im November flog sie mit ihrem Freund nach Gran Canaria. Auf dem Rückflug habe sie unter starken Schmerzen gelitten, sagte sie weiter. Als sie am Flughafen auf die Toilette ging, sei es zur Sturzgeburt gekommen. Mit einer Nagelschere habe sie die Nabelschnur durchtrennt.
Das leblose Kind habe sie in einen Beutel gesteckt und sei dann zu ihrem Freund gegangen, der vor der Tür gewartet habe. Noch auf dem Flughafengelände war sie zusammengebrochen und kam in ein Krankenhaus. Dort stellten die Ärzte fest, dass sie erst kürzlich entbunden hatte, und alarmierten die Polizei.
Den Beutel hatte der Freund in seinen Rucksack gesteckt und mitgenommen. Dass sich darin ein toter Säugling befand, soll er erst später bemerkt haben. Die Polizei fand die kleine Leiche in seiner Siegener Wohnung.