Kolumbien: Liebe zum Billard wird Camorra-Boss zum Verhängnis - DER SPIEGEL
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Verhaftet in Medellín Liebe zum Billard wird Camorra-Boss zum Verhängnis

In Medellín hat die Polizei den Camorra-Boss Gustavo Nocella festgenommen. Er soll Mittelsmann zwischen der Mafia und den kolumbianischen Kartellen gewesen sein. Bei der Festnahme spielte ein Billardtisch eine wichtige Rolle.
Der mutmaßliche Camorra-Boss Nocella wird abgeführt (Polizeifoto)
Der mutmaßliche Camorra-Boss Nocella wird abgeführt (Polizeifoto)

Der mutmaßliche Camorra-Boss Nocella wird abgeführt (Polizeifoto)

Foto: ROPI / picture alliance

Gustavo Nocella gilt als zentrale Figur, wenn es um die Abwicklung von Drogengeschäften zwischen Kolumbien und Europa geht. Jetzt ist der mutmaßliche Camorra-Boss den Ermittlern ins Netz gegangen.

Auf Videos des Zugriffs ist zu sehen, wie maskierte Einsatzkräfte in die Mietwohnung des Gesuchten im kolumbianischen Medellín eindringen und ihn festnehmen. Man sieht die umfangreiche Sneaker-Sammlung des Camorrista, außerdem den Billardtisch, der ihm Berichten zufolge zum Verhängnis wurde. Die Lieferung des in der Hauptstadt Bogotá bestellten, mit rotem Stoff bezogenen Tisches soll die Ermittler auf die Spur des Gesuchten gebracht haben.

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Nocella wurde per internationalem Haftbefehl gesucht, den die Anti-Drogenbehörde in Neapel ausgestellt hatte. Er war jahrelang auf der Flucht, wechselte laut italienischen Medienberichten alle drei Monate die Unterkunft. Und immer habe er in seiner neuen Bleibe einen Billardtisch gebraucht – die Polizei hatte solche aufwendigen Lieferungen deshalb im Blick.

Wie die kolumbianische Nationalpolizei mitteilte, war die Festnahme Teil der seit Monaten laufenden »Operation Minerva«. Man habe eng mit Europol, der britischen Polizei und den italienischen Carabinieri zusammengearbeitet.

Demnach gaben die Carabinieri den ausschlaggebenden Hinweis auf den Aufenthaltsort Nocellas. Der 58-Jährige soll enge Verbindungen zu den italienischen Clans Rinaldi-Formicola, Amato-Pagano und De Micco haben, die als zentrale Akteure im internationalen Drogenhandel gelten. Er soll nun den italienischen Behörden überstellt werden.

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Laut Polizeiangaben koordinierte Nocella die Logistik der Kokainhydrochlorid-Lieferungen von Kolumbien nach Amsterdam. Dafür nutzte er Schiffe und Segelboote. Von Amsterdam aus sei die Ware per Lkw, Pkw oder mit Fahrzeugen des öffentlichen Dienstes nach Neapel gebracht worden.

Die internationale Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden habe zu mehr als 40 weiteren Verhaftungen geführt, sagte der kolumbianische Polizeichef William René Salamanca Ramirez.

Die Camorra ist eine der ältesten kriminellen Organisationen Italiens. Sie stammt aus der Region Kampanien und ist vor allem in der Stadt Neapel aktiv. Die Clans sind aktiv im Drogen- und Waffenhandel, betreiben Schutzgelderpressung und Geldwäsche. Sie infiltrieren aber zunehmend auch legale Wirtschaftszweige wie das Baugewerbe oder die Müllentsorgung. Äußerst umtriebig war die Camorra in Sachen Markenproduktfälschungen.

Längst agiert die Camorra über die Grenzen Italiens hinaus. Sie ist in vielen Ländern präsent und hat auch »Vertretungen« in mehreren deutschen Städten.

ala