LA Law Schweigegeld für Häftlinge
Los Angeles - 500 Dollar sind viel Geld für Juan Avalos. Den Großteil des Sommers des vergangenen Jahres verbrachte der mexikanische Gastarbeiter in einem Gefängnis in Los Angeles - zu Unrecht, wie sich später herausstellen sollte. Elf Wochen vergingen, bevor die Behörden den Fehler bemerkten. Wochen, in denen Avalos seinen Job als Putzmann in einem Kino und seine Tätigkeit in einer Textilfabrik verlor. Tage, in denen seine Frau und seine vier Kinder ohne ihn auskommen mussten.
"Ich habe immer wieder gefragt 'Was wird mit mir passieren?', 'Warum werde ich hier so lange festgehalten?'", berichtete Avalos der "Los Angeles Times". Seine Aussagen wurden von einem Freund übersetzt, er selbst spricht kaum Englisch.
Bevor er entlassen wurde, bekam er von einem Angestellten der Justizbehörde Besuch und einen Scheck über 500 Dollar - nachdem er eine Erklärung unterschrieben hatte, die er nicht verstand. "Ich dachte, das sei eine Kaution, ich war frustriert", erinnert sich Avalos. Der aus Mexiko stammende Mann unterzeichnete eine Verzichtserklärung, mit der er die Haftbarkeit der Behörde ausschloss. Seine fälschliche Inhaftierung wurde mit sieben Dollar pro Tag vergütet.
Während die Justizbehörden von Los Angeles aus Geldmangel Tausende Häftlinge vor der Verbüßung ihrer Strafe entlassen, werden Dutzende zu Unrecht über Tage gefangen gehalten - um hinterher mit einem viel zu geringen Betrag vermeintlich entschädigt zu werden und ein rechtliches Vorgehen gegen die Justizbehörde auszuschließen. Die Situation ist paradox: Seit dem Jahr 2002 wurden Dutzende Gefängnisse geschlossen und 100.000 Häftlinge vorzeitig entlassen, nachdem sie nur ein Zehntel ihrer Strafe verbüßt hatten - die Behörden müssen sparen
Avalos' Fall soll nicht der einzige gewesen sein, in dem ein Gefangener die ihm vorgelegte Verzichterklärung nicht verstehen konnte. Übersetzungen ins Spanische gab es bisher nicht.
In einer Frist vom vergangenen Juni bis zum Juni dieses Jahres waren nach Erkenntnissen der "Los Angeles Times" 66 Menschen zu Unrecht in den Gefängnissen von Los Angeles inhaftiert. Die meisten von ihnen hielt man für Tage - einige sogar für Wochen und Monate gefangen, obwohl sie nie mit einem kriminellen Vergehen belastet worden waren. 37 von ihnen verzichteten im Anschluss darauf, gegen die Justizbehörden vorzugehen - nachdem man ihnen einen Scheck übergeben hatte.
Schuld an der Situation sei die Masse an Büroarbeit, versuchte der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses der Justizbehörde, Michael Gennaco, die Situation zu erklären. Die Gerichtsbeamten seien überarbeitet: "Wenn sie immer schneller arbeiten müssen, dann passieren solche Fehler", sagte er. Die Konsequenz der fälschlichen Inhaftierung sei nicht akzeptabel aber menschliche Realität.
Bereits seit dem Jahr 2001 hadern die Behörden von Los Angeles mit der irrtümlichen Inhaftierung Gefangener: Damals unterlagen die Behörden einer Sammelklage von Häftlingen, die zu spät aus der Haft entlassen worden waren. 27 Millionen Dollar musste die Behörde zahlen.
Mit den Schecks werden die Häftlinge mit einem Bruchteil des Geldes abgespeist, dass ihnen in einem solchen Fall zustehe, äußerte sich Rechtsanwalt Stephen Yagman, der Dutzende fälschlich Inhaftierter verteidigt, gegenüber der Zeitung. Es sei ein Fehler der Justizbehörden, die Schecks auszustellen. Viele unterschrieben fast alles, um den Weg aus dem Gefängnis zu beschleunigen, erklärte er weiter.
"Die Behörden haben kein Interesse daran, das Problem zu lösen. Sie sind lediglich daran interessiert, ihre Haftbarkeit auszuschließen, indem sie die Menschen dazu bringen, das Geld anzunehmen. Ich denke, die Behörden nutzen die Hilflosigkeit der Menschen bewusst aus", sagte der Anwalt.
Juan Avalos fühlt sich von den Behörden ausgenutzt: "Ich hatte niemanden, der mich unterstützt hat", sagte er.
Shaun Mathers von der Justizbehörde wies die Vorwürfe des Mexikaners zurück: Sowohl im Gefängnis als auch bei der Übergabe des Schecks seien Übersetzer präsent gewesen. "Er war glücklich, als er den Scheck erhielt, er war glücklich, als er den Scheck einlöste, und er war glücklich, als er das Geld ausgab."