Leichen in Salzsäure aufgelöst - DER SPIEGEL
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Deutsch-niederländisches Grenzgebiet Familie soll Männer in Säure aufgelöst haben

Zwei Morde erschüttern das deutsch-niederländische Grenzgebiet. Eine Familie soll zwei Männer getötet und ihre Leichen in Salzsäure-Fässern aufgelöst haben. Rekonstruktion eines Verbrechens.
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"Suchen Sie Ruhe und Erholung an malerischen Bachläufen? Wollen Sie ganz einfach mal relaxen und sich kulinarisch verwöhnen lassen?", fragt der Bürgermeister auf der Internetseite der Gemeinde Selfkant und lädt ein "in den westlichsten Zipfel der Bundesrepublik Deutschland". Doch die Idylle an der Grenze zu den Niederlanden ist deutlich getrübt, seit die Behörden einen Doppelmord öffentlich gemacht haben, der grausamer kaum sein könnte.

Hub L., seine Frau Els, die Söhne Michele und Maurice sowie Tochter Rachelle aus dem Örtchen Tüddern werden verdächtigt, in den vergangenen Jahren zwei Iraker getötet zu haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Maastricht schnitten die in Deutschland lebenden Niederländer im Sommer 2009 dem 24-jährigen Alan G. die Kehle durch, zwei Jahre später erschossen sie den 29-jährigen Mohammed al-J. Die beiden Männer lebten als Asylsuchende in den Niederlanden. Die Leichen der beiden Opfer soll die Familie L. in Salzsäurefässern aufgelöst haben.

Die Rekonstruktion des Verbrechens fiel den Ermittlern nicht leicht, gleich drei Länder waren an der Aufarbeitung beteiligt. Den Anfang machten die Niederländer, als sie im vergangenen November die Staatsanwaltschaft Aachen um Rechtshilfe baten. Die Holländer hatten einen Hinweis erhalten, der vermisste Mohammed al-J. sei in dem Haus der Familie L. in Tüddern getötet worden. Ein deutscher Behördensprecher bestätigte den Vorgang auf Anfrage. Es seien in der Folge "gewisse Ermittlungen" durchgeführt worden, sagte er.

Leiche nach Belgien gebracht

Konkret bedeutete das: Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei stürmte das Heim der Familie, einen hübschen Hof mit roten Dachziegeln und grünen Fensterläden. Die Frau sowie ihre beiden Söhne wurden festgenommen, sie sitzen in Untersuchungshaft.

Zugleich fanden die Beamten bei anschließenden Durchsuchungen Hinweise, dass Mohammed al-J.s Leiche nach Belgien gebracht worden sein könnte.

In Gellik bei Maastricht nämlich wohnte Ron V., ein Freund der Familie, der nach Angaben der Ermittler bei der Beseitigung der Opfer geholfen haben soll. In seinem Keller fand demnach statt, was die Sprecherin der Maastrichter Staatsanwaltschaft so umschrieb: "Die Leichen sind in Fässer mit Salzsäure gelegt und aufgelöst worden. Im Rahmen unserer Ermittlungen haben wir allerdings noch Überreste gefunden."

Die Familie angeblich erpresst

Belgischen und niederländischen Zeitungsberichten zufolge war Mohammed al-J. wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz vorbestraft und hatte längere Zeit im Gefängnis gesessen. Der Autohändler sei mit der Tochter der Eheleute L. befreundet gewesen und habe die Eltern mit angeblichen kriminellen Machenschaften erpresst, so die Ermittler. Offenbar ging es dabei um Drogen.

In den Vernehmungen stießen die Beamten indes auch auf eine Verbindung zu dem Verschwinden des seit fast drei Jahren vermissten Alan G. - auch ihn sollen Angehörige der Familie L. umgebracht haben. Seine Leiche sei wohl ebenfalls im Keller des Hauses von Ron V. mittels eines Chemikaliengemischs zersetzt worden, hieß es. Vermutlich hatte sich G. zuvor an einem der Söhne der Familie vergangen.

"Es war schon ein Schock für die Menschen, das so etwas Schreckliches hier möglich zu sein scheint", sagt der Bürgermeister von Selfkant, Herbert Corsten. Die Familie L. habe zwischen 2002 und 2010 in Tüddern gelebt, jedoch kaum Kontakte im Ort gehabt. "Die waren nicht wirklich integriert."

Hub L. und seine Tochter Rachelle sind nun auf der Flucht, sie werden auf einer Insel vor der Küste Venezuelas vermutet. Die niederländische Justiz fahndet mit einem internationalen Haftbefehl nach den beiden, insofern ist inzwischen das vierte Land mit den Morden befasst. Das Problem für die Ermittler ist dabei bloß: Dieser Staat hat kein Auslieferungsabkommen mit Holland abgeschlossen.