London Innenministerium senkt Terrorwarnstufe
London - Grund zur Entwarnung gebe es trotz der Rückstufung der Terrorwarnstufe von kritisch auf ernst aber nicht, teilte der britische Innenminister John Reid in der Nacht zu heute mit: "Die Änderung bei der Warnstufe bedeutet nicht, dass es die Bedrohung nicht mehr gibt."
Auch die USA stufte die Terrorwarnung für Flüge aus Großbritannien von der höchsten Stufe rot auf die zweithöchste Stufe orange hinunter. Die Hauptdrahtzieher des Terrorkomplotts seien gefasst, sagte US-Heimatschutzminister Michael Chertoff: "Wir wissen allerdings nicht, ob es noch Spuren zu Gruppen gibt, die noch nicht festgenommen wurden."
Am Donnerstag hatten britische Behörden einen groß angelegten Anschlag auf Transatlantikflüge verhindert. Mittels flüssigem Sprengstoff wollten Selbstmordattentäter zehn Passagiermaschinen auf ihrem Flug in die USA explodieren lassen. 23 Verdächtige befinden sich seitdem in Haft.
Für Fluggäste von und nach Großbritannien dürfte die neue Sicherheitslage Erleichterungen bringen. Gestern hatten die verschärften Sicherheitsmaßnahmen noch dazu geführt, dass auf dem Londoner Großflughafen Heathrow jeder dritte Flug ausfiel.
Handgepäck wieder erlaubt
Jetzt teilte das britische Verkehrsministerium: Passagiere dürfen ab sofort jeweils wieder ein Stück Handgepäck mit an Bord nehmen. Allerdings blieben Flüssigkeiten im Handgepäck weiter untersagt. Gleiches gilt auch für die USA. Die Flughafen-Betreibergesellschaft BAA kündigte jedoch laut BBC an, dass sie die neuen Handgepäck-Regeln auf einigen Flughäfen nicht vor morgen früh umsetzten könne.
Unterdessen laufen die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. So soll Zeitungsberichten zufolge die britische Polizei eine umfangreiche Suchaktion in einem Waldstück nahe High Wycombe nördlich von London begonnen haben. Dabei hätten die Beamten starke Scheinwerfer eingesetzt.
Seit den verheerenden Selbstmordattentaten in der Londoner U-Bahn vor einem Jahr mit mehr als 50 Toten seien vier potenziell folgenschwere Terrorangriffe verhindert worden, sagte Innenminister Reid. Er bestätigte einen Bericht der Sonntagszeitung "The Observer", wonach Anti-Terror-Einheiten mit bis zu einem Dutzend verschiedener Operationen gegen Attentäter beschäftigt seien. "Dies ist die Größenordnung von Verschwörungen, mit denen wir umzugehen versuchen."
Verbindungen zu London-Attentätern
Nach BBC-Angaben fürchten die Ermittler Anschläge von bislang unentdeckten und isolierten Extremistengruppen. Zugleich würden sie Hinweisen darauf nachgehen, dass die 23 Festgenommenen Verbindungen zum Qaida-Netzwerk in Pakistan hatten. Zumindest einige von ihnen könnten außerdem mit den Attentätern in Verbindung gestanden haben, die am 7. Juli vergangenen Jahres Bombenanschläge im Londoner U-Bahnnetz verübten, heißt es nach Einschätzung des Geheimdienstes MI5.
Reid sowie die Außenministerin Margaret Beckett wiesen einen offenen Brief britischer Muslimorganisationen scharf zurück. Darin war Premierminister Tony Blair, der gerade in der Karibik Urlaub macht, zu einer Änderung seiner Nahost-Politik aufgefordert worden. Londons Unterstützung für den Irak-Krieg und die Weigerung, Israel zur Mäßigung im Libanon aufzufordern, würden Extremisten auf den Plan rufen, hieß es in dem Schreiben. Reid sagte, es sei eine "erbärmliche Fehleinschätzung", dass die Politik Großbritanniens "unter Rücksichtnahme auf terroristische Drohungen bestimmt werden sollte".
Die Nervosität an Bord von Flugzeugen bleibt allerdings weiter groß. Weil während eines Flugs von London nach New York ein Mobiltelefon klingelte, und sich keiner der Passagiere als Besitzer des Mobiltelefons zu erkennen gab, machte die Maschine der British Airways mit 231 Menschen an Bord kehrt und flog zurück. In Heathrow wurde das Flugzeug untersucht, so ein Sprecher der Fluglinie mit. Dabei sei nichts Auffälliges entdeckt worden.
aki/AFP/dpa