London: Polizei erschießt Terrorverdächtigen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

London Polizei erschießt Terrorverdächtigen

In der U-Bahn-Station Stockwell in London haben Polizisten einen Mann erschossen. Einem Fernsehbericht zufolge soll es sich um einen der Attentäter der gestrigen Anschläge handeln.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

London - Eine Polizeisprecherin sagte, der Mann sei von Polizisten in der Station verfolgt und dann gestellt worden. Der Verdächtige sei erschossen worden.

Zu den Hintergründen der Schießerei hat sich die Polizei noch nicht geäußert. Der Fernsehsender Sky News berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, bei dem Mann handele es sich um einen der Attentäter der gestrigen Anschläge.

Ein Augenzeuge berichtete der BBC, er habe in der Station Stockwell in einer wartenden U-Bahn gesessen. Plötzlich sei ein Mann auf den Zug zugestürmt, verfolgt von Polizisten. Der Mann sei gestolpert, dann hätten ihn die Polizisten zu Boden geworfen und ihn dann mit fünf Pistolenschüssen in den Kopf getötet. Der Mann habe kein Gepäckstück bei sich gehabt. Er habe aber einen dicken Mantel getragen, der ausgestopft gewirkt habe.

Offiziellen Angaben zufolge waren zunächst rund zehn Polizisten in zivil an dem Einsatz beteiligt. Augenzeugen berichten jedoch, es sei sehr schnell Verstärkung gekommen. "Da waren mindestens 20 von ihnen, und sie trugen schwere schwarze Gewehre", sagte der 28-jährige Chris Wells, der aus einer der U-Bahnen in Sicherheit gebracht wurde. Der Verdächtige sei zuvor über eine Absperrung gesprungen, und die Polizisten seien hinter ihm hergelaufen. Alle hätten geschrien: "Raus hier, raus hier!"

Ein anderer Fahrgast erzählte: "Wir waren in der 'Tube', und plötzlich hörten wir jemanden sagen 'raus hier, raus hier', und dann hörten wir Schüsse." Andere Augenzeugen berichteten, Polizisten hätten einen Mann durch die Station gejagt und dann das Feuer eröffnet.

Die britische Inlandsnachrichtenagentur PA meldete, die Station sei evakuiert worden. Die Bahnpolizei stellte den Verkehr auf zwei U-Bahn-Linien ein. Betroffen waren die Victoria Line und die Northern Line. Die Victoria Line ist inzwischen wieder in Betrieb.

Währenddessen hatten bewaffnete Polizisten im Osten Londons eine Moschee umstellt. Ein Zeuge sagte dem US-Sender CNN, mehrere Dutzend bewaffnete Beamte hätten sich um die Moschee herum platziert. Die Beamten hätten die Anwohner aufgefordert, ihre Häuser und Wohnungen nicht zu verlassen. Inzwischen gab die Polizei jedoch Entwarnung: Es habe eine Bombendrohung gegeben, die sich nicht bestätigt habe. Ein verdächtiger Gegenstand habe sich als harmlos herausgestellt.

Nach den erneuten Attentaten gestern war Scotland Yard einer Reihe von Hinweisen nachgegangen. Viele Zeugen hatten sich gemeldet. Die Ermittler hatten sich verhalten optimistisch gegeben: Die Täter hätten so viele Spuren hinterlassen, dass der Polizei nun vielleicht ein entscheidender Schlag gegen die Terroristenszene in Großbritannien gelingt.

Anders als vor zwei Wochen, als alle Bomben explodierten, haben die Ermittler nun intakte Sprengsätze mit allen damit verbundenen Hinweisen. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man die flüchtenden Täter auf den Filmen der vielen Überwachungskameras in der Londoner U-Bahn und in der Innenstadt erkennen kann.

PA berichtete, in den drei U-Bahnzügen und dem Bus seien vier "brauchbare" Sprengsätze gefunden worden, die in Rucksäcken steckten. Drei der vier Sprengsätze seien genauso schwer und groß wie die Bomben, die am 7. Juli, exakt zwei Wochen zuvor, das Nahverkehrsnetz der britischen Hauptstadt trafen und mindestens 56 Menschen töteten und mehr als 700 verletzten. Der vierte Sprengsatz war demnach kleiner.

Fotostrecke

Neuer Terroralarm: Angst in London

Foto: REUTERS

Wie die britische Presse unter Berufung auf Polizeiquellen berichtete, geht Scotland Yard davon aus, dass die Täter wieder islamische Extremisten waren. Auch die neuen Anschläge waren nach Zeitungsberichten wieder als Selbstmordattentate geplant. Als die Bomben nicht richtig gezündet hätten, seien die Täter weggelaufen, berichtete die Presse.

Laut Polizei ging es den Tätern darum, die Terroranschläge vom 7. Juli zu wiederholen. Dafür spreche schon, dass sie wieder drei U-Bahnen und einen Bus ausgesucht und die Bomben fast gleichzeitig gezündet hätten.