Mainz Mutter gesteht Tötung von Baby
Mainz - Unter Tränen berichtete die Mutter am Dienstag vor dem Mainzer Landgericht, wie sie ihr Kind am Morgen des 10. Oktober 2010 aus dem Bett gehoben habe, weil es nicht aufhören wollte zu schreien. Die Kleine sei schließlich auf ihrem Arm eingeschlafen. Erst zwei Stunden später habe sie bemerkt, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimmte. Das Mädchen war noch am selben Tag gestorben.
Die 25-Jährige aus dem rheinhessischen St. Johann muss sich seit Dienstag wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Der Staatsanwältin zufolge soll die Frau am Tattag ihr schreiendes Baby aus dem Bett genommen und mehrmals geschüttelt haben. Als der Säugling das Trinken verweigerte, soll sie ihm mehrfach mit dem Flaschenboden gegen den Kopf geschlagen haben. Die Frau räumte das Schütteln und die Schläge ein.
Die Angeklagte schilderte Details der Tat: Sie habe am Vorabend Streit mit ihrem Mann gehabt und sei daher extrem gestresst gewesen. Als ihr Kind in den frühen Morgenstunden nicht aufgehört habe zu weinen, habe sie es zunächst zwei- bis dreimal heftig geschüttelt und dann mit dem Boden des Nuckelfläschchens mehrmals auf den Kopf geschlagen. Schließlich sei das Kind neben ihr eingeschlafen.
Als sie rund drei Stunden später aufgewacht sei, habe das Kind regungslos neben ihr gelegen. Die Milch sei ihr aus der Nase gelaufen. Sie habe versucht, es wiederzubeleben. Ihr Ehemann habe sofort die Nachbarin um Hilfe gebeten und den Notarzt verständigt. Das Kind war zu diesem Zeitpunkt aber bereits tot. Sie habe im Moment der Tat einen Blackout gehabt. "Ich wollte meinem Kind nicht wehtun", sagte die Frau weinend. Die 25-Jährige hatte bereits bei der Polizei in einem Verhör die Tat zugegeben, zunächst aber behauptet, der Säugling sei einem plötzlichen Kindstod erlegen.
Zum Prozessauftakt schilderte die Angeklagte ihre schwierigen Lebensverhältnisse. In ihrer Kindheit und Jugend sei sie von ihrer Mutter oft geschlagen worden. Sie habe zeitweise im Heim oder auf der Straße gelebt, sagte die Angeklagte. Ihr Ehemann, mit dem sie noch ein weiteres Kind hat, sei Alkoholiker. Er habe sie wenige Tage vor dem Tod der Tochter heftig geschlagen und getreten.
Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, nachdem sie gehört hatten, wie der Ehemann seine Frau anschrie: "Du hast das Kind getötet." Für den Prozess sind bis zum 14. April noch vier weitere Termine angesetzt.