Marco Weiss: Erste Anzeichen einer "psychischen Macke" - DER SPIEGEL
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Marco Weiss Erste Anzeichen einer "psychischen Macke"

Er teilt sich mit 30 Gefangenen eine Zelle, zehn Minuten pro Woche dürfen ihn seine Eltern sehen: Morgen soll der Prozess gegen Marco Weiss wegen sexuellen Missbrauchs weitergehen. Der 17-Jährige, der seit April im Gefängnis von Antalya sitzt, sei psychisch am Ende, sagen sein Vater und sein Anwalt.
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Hannover - Vor der Fortsetzung des Prozesses gegen den Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen hat sich dessen Anwalt zurückhaltend über die Aussichten auf eine Freilassung geäußert. "Ich hoffe auf ein gutes Ende", sagte Rechtsanwalt Jürgen Schmidt. Ob der Prozess im türkischen Antalya aber tatsächlich morgen zu Ende gehe, wüssten allenfalls die Richter.

Seit fast vier Monaten sitzt Marco Weiss in der Türkei im Gefängnis. Zehn Minuten pro Woche können ihn seine Eltern durch Panzerglas sehen und über ein Telefon mit ihm sprechen. Durch die lange Untersuchungshaft habe der 17-Jährige schon eine "psychische Macke" bekommen, sagt sein Vater.

Dem seit April in der Türkei inhaftierten Schüler geht es auch nach Angaben des Anwalts ziemlich schlecht. "Er befindet sich psychisch auf einem Tiefpunkt", meinte Schmidt. Er leide auch unter dem Auf und Ab, dem Wechsel von Hoffen und Bangen.

Marco Weiss muss sich im Untersuchungsgefängnis in Antalya eine Zelle mit 30 weiteren Gefangenen teilen. Die Haftbedingungen waren im Vorfeld des Prozesses von deutscher Seite aus heftig kritisiert worden.

Die Richter müssen klären, was dran ist an dem Vorwurf, der Schüler habe die 13-jährige Britin Charlotte M. sexuell missbraucht. Schmidt zufolge hat der Anwalt des englischen Mädchens für den Termin einen Zeugen benannt. "Ich hoffe, dass die Aussage des Zeugen der Wahrheit entspricht und günstig für Marco ausfällt", meinte Schmidt. Berichte, der Zeuge könne gegen Marco den Vorwurf der Vergewaltigung der 13-jährigen Engländerin erheben, wies der Rechtsanwalt zurück. "Aus den Akten ergeben sich keinerlei Belege für den Vorwurf der Vergewaltigung", sagte er. Angesichts der ersten Aussagen der Beteiligten sei ein solcher Vorwurf weit hergeholt.

Der Uelzener war am 12. April im türkischen Urlaubsort Side festgenommen worden, nachdem die Eltern des Mädchens Anzeige gegen ihn erstattet hatten. Der Schüler gibt zu, mit dem Mädchen geflirtet und geschmust zu haben. Sie habe sich ihm gegenüber jedoch als 15-Jährige ausgegeben. Die Engländerin behauptet dagegen, er habe sie sexuell bedrängt, während sie schlief.

jjc/ddp/AP