Fall Maria Bögerl Chronologie eines Verbrechens
Polizisten durchsuchen bei Heidenheim ein Rapsfeld (Archivbild)
Foto: Stefan Puchner/ dpaDas Verbrechen an der Bankiersfrau Maria Bögerl beschäftigt die Polizei seit dem Jahr 2010. Die Ermittler stießen auf mehr als 10.000 gesicherte Spuren, der entscheidende Hinweis fehlte jedoch bislang. Nun wurde laut BKA ein Verdächtiger festgenommen.
Lesen Sie hier die Chronologie des Falls:
- 12. Mai 2010: Maria Bögerl (54), zweifache Mutter und Frau eines Sparkassenchefs, wird aus ihrem Haus in Heidenheim entführt. Ihr Mann hinterlegt 300.000 Euro Lösegeld an vereinbarter Stelle an der A7.
- 13. Mai 2010: Das Geld wird nicht abgeholt, der Kontakt zum Entführer bricht ab. Von Bögerl fehlt jede Spur.
- 14. Mai 2010: Maria Bögerls Handy wird gefunden. Ihr Auto entdeckt die Polizei nach Hinweisen im Hof des Klosters Neresheim.
- 16. Mai 2010: Ein zunächst verdächtiger Mann wird kurz nach seiner Festnahme wieder freigelassen.
- 18. Mai 2010: Die Belohnung für Hinweise zur Aufklärung des Falls wird auf 100.000 Euro verdoppelt. Die Soko "Flagge" wird gebildet.
- 19. Mai 2010: Mit einem verzweifelten Appell wendet sich die Familie in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" an die Täter: "Bitte geben Sie uns unsere geliebte Mama, meine Frau, wohlbehalten zurück."
- 3. Juni 2010: Ein Spaziergänger entdeckt am Waldrand die Leiche von Maria Bögerl wenige Kilometer vom Haus der Bögerls entfernt.
- 9. Juni 2010: Unter großer Anteilnahme wird Bögerl beigesetzt.
- 24. Juni 2010: Die Polizei sucht nun auch mit Speichelproben nach dem Täter.
- 3. August 2010: Die Bundesbank widerspricht: Die Geldübergabe habe sich nicht wegen einer Mittagspause ihrer Ulmer Filiale verzögert.
- Oktober 2010: Bei der Polizei geht ein anonymes Schreiben ein, nach dem die Lösegeldbeschaffung sehr viel schneller hätte klappen können.
- 11. Juli 2011: Bögerls Ehemann begeht Suizid.
- 14. Juli 2011: Die Kinder der Bögerls kritisieren öffentlich die Polizei.
- 5. September 2012: Die Polizei wendet sich über "Aktenzeichen XY" erneut an die Bevölkerung. Daraufhin führt ein Mann die Beamten monatelang mit falschen Hinweisen in die Irre. Dafür kassiert er mehrere tausend Euro Belohnung - und wird schließlich zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.
- Januar 2013: Die Soko wird von 16 auf 12 Ermittler verkleinert. Mehr als 3000 Speicheltests machten die Beamten bislang auf der Suche nach dem Täter oder den Tätern - eine heiße Spur ist nicht dabei.
- 8. Mai 2013: Erstmals ist nun die Rede von mehreren Tätern, sie werden im Spielhallen-Milieu in Baden-Württemberg und Bayern gesucht.
- 14. Februar 2014: In Neresheim (Ostalbkreis) soll ein DNA-Massentest die entscheidenden Hinweise bringen. Mehr als 3000 Männer sollen zur Reihenuntersuchung antreten.
Maria Bögerl: Die ermordete Bankiersgattin
- 21. August 2014: Ein zweiter Massentest: Auch in Giengen an der Brenz werden rund 500 Männer zum DNA-Test aufgefordert.
- Februar 2015: Ein dubioser Zeuge meldet sich bei der Polizei. Er nennt einen angeblichen Tatbeteiligten. Die Durchsuchung von dessen Wohnung bringt aber keine Hinweise.
- 13. Februar 2015: Das Amtsgericht Ellwangen droht DNA-Test-Verweigerern: Zur Not sollen sie zum Gentest gezwungen werden.
- 23. April 2015: Die Staatsanwaltschaft Ellwangen verkündet, den neuen angeblichen Zeugen vorerst nicht mehr vernehmen zu wollen.
- November 2015: Auf der Suche nach dem Täter werten die Ermittler mit einer neuen Software 600.000 alte Datensätze aus - darunter vor allem Handy-Verbindungsdaten aus dem Tatzeitraum.
- April 2016: Knapp sechs Jahre nach dem Mord an der Bankiersgattin geht die Polizei noch einmal 150 neuen Ermittlungsansätzen nach.
- 5. April 2017: Nun suchen die Ermittler nach einem Verdächtigen und gehen einer entscheidenden Spur nach. Der Mann ist in Nordrhein-Westfalen gesehen worden.
- 5. April 2017: Die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" berichtet über den Mord. Am Ende der Sendung heißt es bereits, es habe "eine Reihe von Hinweisen" aus dem TV-Publikum gegeben.
- 5. April 2017: Ermittler nehmen einen Mann in seiner Wohnung in Königsbronn, Landkreis Heidenheim, fest. Das Bundeskriminalamt gibt die Festnahme bekannt kurz darauf bekannt.
- 6. April 2017: Die Staatsanwaltschaft Ellwangen teilt mit, dass es keine Übereinstimmung zwischen der DNA des Festgenommenen und an Bögerls Auto gesicherten Spuren gibt.