Mexiko: Opfer und Täter im Drogenkrieg
Mexiko Zeitung kapituliert vor Drogenkartellen
Ciudad Juárez - Die führende Tageszeitung in Mexikos Drogenhochburg Ciudad Juárez hat an die rivalisierenden Rauschgiftkartelle appelliert, ihre Gewalttaten gegen Journalisten des Blattes einzustellen. "Wir wollen, dass Sie uns erklären, was Sie von uns wollen - was wir veröffentlichen sollen und was wir nicht mehr veröffentlichen sollen", wandte sich das "Diario de Juárez" in einem am Sonntag veröffentlichten Leitartikel auf seiner Titelseite direkt an die Drogenbosse.
Wenige Tage zuvor waren zwei Fotografen des Blattes von unbekannten Tätern beschossen worden. Der eine starb, der andere wurde schwer verletzt. Es handelte sich um den zweiten Mitarbeiter des "Diario de Juárez", der innerhalb von weniger als zwei Jahren getötet wurde.
Das Blatt richte seine Fragen an die Kartelle, weil "das, was wir am wenigsten wollen, ist, dass ein weiterer unserer Kollegen zum Opfer Ihrer Kugeln wird", hieß es in dem Leitartikel. Die Zeitung bezeichnete darin die Kartelle als die "De-facto-Machthaber in dieser Stadt", da die Regierung nicht verhindert habe, "dass unsere Kollegen weiter sterben".
Grafiken: Fakten zum globalen Drogenkrieg
Trotz massiver Präsenz von Polizei und Armee fielen in der Stadt allein in diesem Jahr bereits mindestens 2000 Menschen den Gewalttaten der Kartelle zum Opfer. Für Journalisten ist Mexiko nach Angaben von Bürgerrechtsorganisationen eines der gefährlichsten Länder der Welt.
Seit Präsident im Jahr 2006 eine Militäroffensive gegen das organisierte Verbrechen gestartet hatte, starben oder verschwanden nach Angaben des in New York ansässigen Komitees zum Schutz von Journalisten (CPJ) in dem lateinamerikanischen Land mehr als 30 Medienvertreter.