Millionenraub Marokko liefert Verdächtigen aus
Rabat - Der 26-jährige Kampfsportler Lee "Lightning" M. werde in Großbritannien im Zusammenhang mit dem Millionenraub in Kent wegen "Diebstahls, der Entführung und anderer Delikte" gesucht, teilte die für die Ermittlungen zuständige Polizei der Grafschaft Kent mit. Er sollte auf Antrag Großbritanniens schnellstens nach London ausgeliefert werden. Der 26-Jährige ist der einzige von insgesamt vier in Rabat festgenommenen Verdächtigen, dessen Identität die Polizei enthüllte.
Die vier Männer waren der marokkanischen Polizei mit Unterstützung von Experten von Scotland Yard am Sonntag in einem Einkaufszentrum in dem eleganten Stadtteil Souissi in Rabat ins Netz gegangen. Da es sich laut Polizei bei den Festgenommenen um "gefährliche" Experten in Kampfsport und Schusswaffen handelte, kamen bei ihrer Festnahme "Spezialtechniken" zum Einsatz. An der Operation waren insgesamt rund 30 marokkanische Polizisten und Experten von Scotland Yard beteiligt. Die örtliche Polizei hatte die mutmaßlichen Räuber eigenen Angaben zufolge monatelang verfolgt. Am Sonntag war die Falle dann zugeschnappt.
Ende Februar hatten die von Interpol gesuchten Männer als Polizisten verkleidet ein Gelddepot der Sicherheitsfirma Securitas in Tonbridge in Kent ausgeraubt. Der Depotmanager und seine Familie wurden unter vorgehaltener Waffe gezwungen, den Banditen Zugang zu dem Geld zu gewähren. Die Räuber erbeuteten dabei die Rekordsumme von umgerechnet rund 76 Millionen Euro. Nur etwa 20 Millionen Euro aus der Beute sind mittlerweile wieder aufgetaucht.
Mutmaßlicher Kopf der Bande ist der Multimillionär und Playboy John Fowler, der sein Vermögen im Autohandel gemacht hatte. Gegen ihn und fünf mutmaßliche Komplizen wurde inzwischen Anklage erhoben. Insgesamt wurden im Zuge der Ermittlungen mehr als 20 Menschen festgenommen. Einige der Festgenommenen sollen am 10. Juli erstmals in London vor Gericht erscheinen.
fok/AFP/Reuters/