Millionenraub: Polizei verdächtigt Playboy "The Flexible" - DER SPIEGEL
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Millionenraub Polizei verdächtigt Playboy "The Flexible"

Steckt ein Millionär hinter dem Millonenraub? Bei der Fahndung nach den Hintermännern des größten Raubüberfalls in der britischen Geschichte ist die Polizei einen großen Schritt weitergekommen. Die Ermittler nahmen jetzt einen reichen Unternehmer und drei mutmaßliche Komplizen fest.
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Maidstone - Als Kopf der Bande verdächtigt die Polizei John Fowler. Gegen ihn und zunächst zwei mutmaßliche Komplizen wurde Anklage erhoben. Das Strafgericht von Maidstone in der Grafschaft Kent ordnete nach einer Anhörung an, das Trio in Untersuchungshaft zu nehmen. Später wurde laut der Nachrichtenagentur AP auch Anklage gegen eine vierte Person erhoben. Es handelt sich um einen 24-Jährigen, über den zunächst keine weiteren Angaben vorlagen.

Medien beschrieben Fowler als schillernde Figur. Sein Spitzname: "Der Flexible". Mit Autogeschäften habe er ein Millionenvermögen gemacht. Er residiert auf dem luxuriösen Landgut Elderden Farm in Staplehurst nicht weit vom Tatort entfernt.

Dem 60-jährigen Fowler und seinem 47-jährigen Geschäftspartner Stuart Royle sowie dem 24-jährigen Angeklagten wird Verschwörung zum Raub vorgeworfen. Royles Freundin, die Friseurin Kim Shackleton, muss sich wegen Hehlerei verantworten. Nach Presseinformationen lebt Fowler mit seiner Familie auf einem weitläufigen Landgut mit Schwimmbad, Tennisplatz und mehreren Gebäuden. Der "Evening Standard" gab sein Vermögen mit sieben Millionen Pfund (10,3 Millionen Euro) an, allein sein Landsitz sei zwei Millionen Pfund wert.

Fowler präsentierte sich den Angaben zufolge gerne als Playboy. Dazu passten die Umstände seiner Festnahme: Mit Schüssen in die Reifen brachte die Polizei am Sonntag Fowlers BMW zum Stehen, der Mann wurde festgenommen. Fowler ist verheiratet und hat drei Kinder. Tagelang hatten Polizisten das Anwesen der Fowlers durchkämmt. Medieninformationen zufolge fanden sie dabei einen Teil der Beute.

Staatsanwältin Elizabeth Howe sprach nach der Anklageerhebung von "vorliegenden Beweisen", die "sorgfältig ausgewertet" worden seien. Bis zum nächsten Gerichtstermin am 13. März soll das verdächtige Trio in Untersuchungshaft bleiben. Der 24-Jährige soll am Freitag einem Richter vorgeführt werden. Die Polizei zeigte sich zufrieden mit dem Fortgang der Ermittlungen nach dem Raub von umgerechnet 78 Millionen Euro aus einem Gelddepot in Kent. Sie geht davon aus, dass Fowler als Kopf der Bande etwa sechs Komplizen hatte.

Die Ermittler waren selbst überrascht von dem schnellen Fortgang der Untersuchung. "Die Bande hat elementare Fehler gemacht", zitierte der "Evening Standard" eine Polizeiquelle. "Anfangs haben wir damit gerechnet, es mit professionellen Einbrechern zu tun zu haben. Es stellt sich aber immer mehr heraus, dass dieses Profil absolut nicht auf die Beteiligten zutrifft."

Bei dem spektakulären Raubüberfall hatten die Täter in der Nacht zum Mittwoch vergangener Woche das Depot der Sicherheitsfirma Securitas in Tonbridge in Kent ausgeraubt. Der Depotmanager und seine Familie wurden unter vorgehaltener Waffe gezwungen, den Banditen Zugang zu dem Geld zu gewähren.

In einem Lieferwagen, der auf einem Hotelparkplatz in Ashford ebenfalls in Kent stand, hatte die Polizei kurz nach der Tat bereits rund 1,9 Millionen Euro aus dem Raub gefunden. In dem Fahrzeug befanden sich auch Waffen, Sturmhauben und kugelsichere Westen. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich Spurenfachleute von der Untersuchung eines weißen Lieferwagens, der nach dem Überfall sichergestellt wurde und in dem die Täter das gestohlene Geld vermutlich abtransportiert hatten.

dab/AFP