Deutsch-französisches Justizdrama "Fall Kalinka" wird verfilmt
Getötete Kalinka Bamberski (Familienfoto): Dreharbeiten in Lindau
Foto: Handout/ Getty ImagesLindau - Vor 32 Jahren starb die damals 14-jährige Kalinka Bamberski unter mysteriösen Umständen in Lindau am Bodensee. Die Geschichte ihres Todes und des sich daran anschließenden Justizkrimis wird jetzt verfilmt: Für "Bamberski - der Fall Kalinka" sollen am Freitagvormittag in Lindau Dreharbeiten stattfinden.
In dem Film spielt der Franzose Daniel Auteuil Kalinkas leiblichen Vater André Bamberski, der jahrelang dafür kämpfte, Gerechtigkeit für seine Tochter zu bekommen. In die Rolle des Stiefvaters Dieter K. schlüpft der deutsche Schauspieler Sebastian Koch ("Das Leben der Anderen").
Kalinka war im Sommer 1982 im Haus ihres Stiefvaters tot aufgefunden worden. Die deutsche Justiz prüfte damals den Fall, sah aber keinen Grund zur Anklage. Die Ermittlungen wurden nach vier Jahren eingestellt, in Ermangelung eines "genügenden Tatverdachts". Bamberski dagegen war wegen entsprechender Indizien im Obduktionsbericht überzeugt, K. habe Kalinka vergewaltigt und das Mädchen umgebracht, um das Sexualdelikt zu vertuschen.
"Es wird keine Schwarz-Weiß-Malerei geben"
Auf Bamberskis Bestreben hin wurde K. 1995 in Abwesenheit von einem Pariser Schwurgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt. Diesen Schuldspruch kassierte später allerdings der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte.
Behörden in der Bundesrepublik lehnten die Auslieferung K.s nach Frankreich stets ab, weil das Ermittlungsverfahren in Deutschland eingestellt worden war. Im Oktober 2009 ließ Bamberski K. deshalb verschleppen, um ihn wegen Kalinkas Tod vor ein französisches Gericht zu stellen. Trotz des Protests der deutschen Behörden wurde Dieter K. schließlich der Prozess gemacht. Im Oktober 2011 das Urteil: 15 Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Bamberski wiederum wurde wegen der Entführung zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt.
"Es ist eine deutsch-französische Geschichte, die Bezüge zu beiden Ländern hat", sagte Koproduzent Philipp Kreuzer der "Schwäbischen Zeitung". "Wir werden sicher kein Dokudrama drehen, doch wird es auch keine Schwarz-Weiß-Malerei geben." Der Film soll in der zweiten Hälfte 2015 in die Kinos kommen.