Prozess in Regensburg Mollath-Anwälte sollen als Pflichtverteidiger weitermachen
Anwalt Strate, Mandant Mollath (am 7. Juli): Überraschung im Wiederaufnahmeverfahren
Foto: David Ebener/ dpaAm elften Verhandlungstag im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath vor dem Regensburger Landgericht kommt es nach der Mittagspause zum Eklat: "Die Verteidiger nehmen Abschied", erklärt Gerhard Strate, 64. "Mein Mandat ist beendet."
"Herr Mollath hat uns bis zu 30 Beweisanträge vorgelegt, die hier nicht vorgetragen wurden", deshalb fehle dem Mandanten nun offensichtlich das Vertrauen in seine Verteidigung.
Zuvor hatte Mollath das Gericht heftig kritisiert: "Ich bin befremdet und entsetzt über die Auswahl der Zeugen. Ich selber habe weit über 30 Zeugen benannt, wodurch sich ein ganz anderes Bild ergeben würde." Man nehme ihm die Möglichkeit einer objektiven, wahrheitsgemäßen Darstellung. Dem war Strate entgegengetreten: "Ich habe selten ein Gericht gesehen, das so sorgfältig um die Aufklärung bemüht ist."
Nach der Erklärung seines Anwalts sagt Mollath, er sei "total überrascht". Strate habe ihm in der Mittagspause ins Ohr geflüstert, er wolle das Mandat niederlegen. "Ich bin jetzt am Boden zerstört." In seinen Beweisanträgen habe er nur geschrieben, "was man auch nachweisen kann". Er könne den Grund nicht verstehen. "Ich habe Vertrauen in meine Anwälte."
Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl beantragt daraufhin, Strate und seinen Kanzleikollegen Johannes Rauwald, 28, die beide bisher Wahlverteidiger waren, als Pflichtverteidiger beizubehalten, um das Verfahren zu sichern. Ein Zerwürfnis, das eine Verteidigung Mollaths unmöglich mache, sei nicht zu erkennen.
Diesem Antrag folgt das Gericht. Die Vorsitzende Richterin Elke Escher entscheidet: Strate muss als Pflichtverteidiger weitermachen. Der Anwalt versichert: "Wir werden ohne Abstriche an dem, was wir für richtig halten, die Verteidigung weiterführen."
Mollath will vollständige Rehabilitation
Mollath muss sich in Regensburg wegen des Vorwurfs der Körperverletzung an seiner Frau und Dutzender zerstochener Reifen verantworten (lesen Sie hier die Hintergründe zum Verfahren). Er selbst sieht sich als Opfer einer Verschwörung aus Finanzwelt, Justiz, Psychiatrie und Politik. Seine Ex-Frau habe ihn mit falschen Beschuldigungen mundtot machen wollen, um zu verhindern, dass er die "größte, wahnsinnigste Schwarzgeldverschiebung von Deutschland in die Schweiz" in Milliardenhöhe aufdecke.
Mollath hatte im Vorfeld des Verfahrens immer wieder öffentlich erklärt, er kämpfe für seine vollständige Rehabilitation. Einen Freispruch erster Klasse, wegen erwiesener Unschuld. Der aber scheint nach derzeitigem Stand des Verfahrens nicht in Sicht. Vor Pressevertretern hatte Strate in der vergangen Woche gesagt, Mollath sei in dem Verfahren "auf der Siegerstraße", aber irgendetwas werde immer hängenbleiben, "wenn auch nichts strafrechtlich Relevantes". Das scheint seinem Mandanten nicht zu genügen.
Zu Beginn des Verfahrens hatte Mollath seinem Verteidiger bei Zeugenauftritten immer wieder kleine Zettel hingeschoben. Strate las - und stellte den Zeugen daraufhin Fragen, die auf die weitverzweigte Verschwörung gegen Mollath zielten. Meist ging es dabei um Verbindungen zu Mollaths Ex-Frau, zu Martin M., ihrem neuen Ehemann, zum Besitz möglicher Gelder in der Schweiz - bislang von allen Zeugen verneint - oder zum 1. FC Nürnberg. Die Handballsparte des Vereins nimmt in Mollaths Darstellungen der "wahnsinnigsten, größten Schwarzgeldverschiebung in die Schweiz" in Milliardenhöhe eine zentrale Stellung ein.
In letzter Zeit hatte Strate derartige Fragen seltener gestellt. Oder er hatte sie mit der Versicherung eingeleitet, er selbst hänge "selbstverständlich" keinerlei Verschwörungstheorie an. Zusammen mit den nicht vorgelegten Beweisanträgen war das dann vielleicht ein wenig zu viel der Distanzierung für seinen Mandanten gewesen.